Audi MedCup Circuit 2011 - Barcelona

- 12.-17. September 2011
Übersicht Barclona
12 Sep 2011
Grande Finale in Barcelona

Fünfte und entscheidende Segelregatta im Audi MedCup Circuit 2011 startet im spanischen Barcelona. Dienstag (13. September) erste Rennen. Kann Udo Schütz’ „Container“ aus Selters mit Skipper Markus Wieser die Gesamtführende „Quantum Racing“ (USA) noch gefährden? Jochen Schümann will mit dem Audi Sailing Team powered by All4One (Kiel) noch einmal aufs Podium.

Spaniens Olympiastadt von 1992, Barcelona, ist Schauplatz des spannenden Finales im Audi MedCup Circuit 2011, der bedeutendsten Grand-Prix-Regattaserie für Einrumpfyachten.

Duell der Masten in Barcelona
Ab Dienstag (13. September) segeln noch vier Mannschaften um den Gesamtsieg in der TP 52-Klasse, darunter die deutsche „Container“ von Udo Schütz aus Selters mit Skipper Markus Wieser (Starnberg). Die besten Karten hält allerdings die „Quantum Racing“ mit Steuermann Ed Baird aus den USA knapp vor dem Audi Azzurra Sailing Team von Skipper Guillermo Parada aus Italien. Die einheimische „Bribón“ mit Steuermann Gonzalo Araújo will nicht nur die Deutschen vom Podium stoßen, sondern mit der Wiederholung des ersten Heimsiegs von Cartagena im August auch noch ganz vorne eingreifen. Diese Chance bleibt Jochen Schümann mit dem Audi Sailing Team powered by All4One (Kiel) zwar verwehrt. Doch eine gute Leistung wie beim Sieg im Juli in Cagliari/Italien könnte die Medaillenvergabe zumindest indirekt mitentscheiden.

11,5 Punkte Rückstand auf die „Quantum Racing“ bringt die „Container“ aus den ersten vier Serien mit. Das ist nicht eben wenig und dennoch aufzuholen, wie die Ergebniskapriolen im Saisonverlauf zeigen. Das US-Team profitiert immer noch von seinem haushoch überlegenen Auftakt im Mai in Cascais/Portugal, hat die Italiener allerdings mit nur noch 3,5 Zählern Rückstand im Nacken. In jedem der acht bis Sonnabend (17. September) geplanten Kurzrennen gibt es für den gesegelten Platz die gleiche Punktzahl, in der Mittelstrecke am Freitag sogar eine 1,5-fache Wertung. Und die acht teilnehmenden Teams haben an allen Austragungsorten immer wieder bewiesen, dass jeder jeden schlagen kann.

„Es sind noch genügend Punkte zu vergeben, aber wir dürfen uns keine großen Ausrutscher mehr leisten, wenn es noch für den Circuit-Sieg reichen soll“, meinte Markus Wieser beim ersten Training am Wochenende, „wir werden alles daransetzen.“ Er kam mit der Empfehlung eines Goldcup-Siegs in der ehemals olympischen Drachen-Klasse aus Ostende/Belgien zum Finale. Mit Vorsegeltrimmer Matti Paschen aus Hamburg und dem ukrainischen Eigner Sergei Pugachev des Transbunker-Teams hatte Wieser die gesamte Weltelite in dieser immer noch hochkarätig besetzten Kielbootklasse besiegt. Eine gelungene Generalprobe also für das Grande Finale der 15,85 Meter langen TP 52, die mit zwölf Mann gesegelt wird.

Einschließlich der Shore Crew, die an Land für die Logistik sorgt, hat das gesamte „Container“-Team in den Tagen zwischen Cartagena und Barcelona fieberhaft an einer Verbesserung des Leichtwindpotentials gearbeitet. „Auf unserem letzten offenen Slot haben wir noch einen neuen A2-Gennaker bauen lassen und zudem den Leichtwindgennaker umgebaut“, erklärt Wieser, „während wir voriges Mal hoch am Wind schon einigermaßen zufrieden waren, hatte unsere einstmals erstklassige Geschwindigkeit vor dem Wind gelitten.“ In seiner ersten Saison in der hart um kämpften TP 52-Klasse macht der in Berlin wohnende Profi bei der Suche nach Gründen für die Einbußen in der vorletzten Regatta auch mangelnde Erfahrung geltend: „Andere Kampagnen laufen schon drei oder vier Jahre. Die Segler wissen genau, was sie wann zu tun haben, um sich immer weiter zu steigern. Wir lernen noch.“

Am gefährlichsten schätzt Wieser die Spanier auf der „Bribón“ ein. „Obwohl sie das einzige Schiffe der Vorgängergeneration segeln, sind sie bei Leichtwind am schnellsten“, so der 47-jährige, „die anderen beiden Teams vor uns können wir wahrscheinlich leichter schlagen.“ So dürfte sich nach den ersten beiden Renntagen schnell herausstellen, ob es für das deutsche Boot noch um alles oder um nichts geht. Denn der Vorsprung vor den Verfolgern beträgt nur 6,5 Punkte, der undankbare vierte Platz droht.

Auch seine Gegner sind weit davon entfernt, sich in Sicherheit zu wiegen. Matchrace-As Ed Baird, Weltmeister im Kampf Boot gegen Boot und America’s Cup-Gewinner sowohl als Steuermann als auch als Coach, will zunächst „unser eigenes Rennen segeln, völlig unabhängig vom Punktestand“. Zu eng seien die Gegner noch beieinander, als dass es sich zu Regattabeginn schon rechnen könnte, auf die Konkurrenz zu achten. „Vor allem bei dem Leichtwind, wenn die Boote auf beiden Strecken am Wind und vor dem Wind weit auseinander fahren, ist es praktisch unmöglich, auf alle Verfolger aufzupassen“, so Baird. Und die mittelfristige Windvorhersage spricht von südwestlichem Garbi, typisch für die Küstenregion, aber selten stark.

Francesco Bruni, Taktiker vom Audi Azzurra Sailing Team, warnt gar vor einem frühzeitigen Zweikampf mit der „Quantum Racing“: „Darauf warten die ‚Container‘ und die ‚Bribón‘ doch nur. 18 Punkte Unterschied sind schnell aufgezehrt. Ein schlechter Tag mit zwei Rennen, und schon hat sich das Blatt gewendet.“ Mitte der Regatta könne das indes schon anders aussehen, da würden Blicke auf die Tabelle und Ergebnisrechnereien immer wahrscheinlicher. Der Spanier Gonzalo Araújo gefällt sich in der Rolle des Jägers. „Wir waren schwach in die Saison gestartet. Inzwischen kommen wir sehr gut zurecht und wissen, was wir können. Es wird am Ende das konstanteste Boot gewinnen. Und Konstanz soll unsere große Stärke bleiben.“
„Dass es in dieser Saison nicht zum Circuit-Podium reichen wird, damit hatte sich Jochen Schümann nach Rang vier in Cartagena abgefunden. Zu viele Punkte waren bei den ersten beiden Regatten des Jahres gesammelt worden. „Dennoch sind wir mit unserem neuen Boot auf dem richtigen Weg und wollen zum Schluss noch einmal aufs Treppchen“, lautet die Vorgabe des dreimaligen Olympiasiegers und zweifachen America’s Cup-Gewinners mit Alinghi. Das Audi Sailing Team war mit einem radikalen Yachtdesign des Bremerhavener Konstruktionsbüros Judel/Vrolijk in die Saison gegangen und musste sich zunächst an die Eigenarten gewöhnen, ehe das offenbar hohe Potential nach und nach ausgeschöpft werden konnte.

Für Schümann ist die Rückkehr an die Olympiastätte von vor 19 Jahren mit gemischten Erinnerungen behaftet. Damals hatte er sich in der Soling mit der „Holzmedaille“, dem vierten Rang zufrieden geben müssen. Das soll nun bei der Conde de Godó Barcelona Trophy im Audi MedCup nicht wieder passieren. Schümanns Generalprobe war der Maxi Yacht Rolex Cup in Porto Cervo (Sardinien/Italien), den er als Taktiker der britischen Wally 94 „Magic Carpet²“ als Dritter beendete. Er unterlag den etwas größeren Yachten „Y3K“ von Claus-Peter Offen aus Hamburg und „Indio“ aus Italien. „Jetzt freue ich mich auf das vergütungsfreie Segeln der TP 52 im Audi MedCup“, so Schümann, „die Leistungsdichte ist so eng und diese Regatta für mich die wirkliche Champions League des Segelsports.“

Immer stärker wird auch die kleinere Soto 40-Klasse, die in Barcelona erstmals mit sechs Teilnehmern an den Start geht. Nach erfolgreichem Test in Barcelona kommen die Spanier Álex Laplaza und Toni Guiu mit einem eigenen Boot zum Finale. Die „cruiser-racer.com“ ist die Baunummer 27 dieser 12-Meter-Yachten einer argentinischen Werft. Für die Taktik an Bord zeichnet die Deutsche Sabine Schumann verantwortlich, die vor 15 Jahren nach Barcelona zog. Für den Württembergischen Yacht-Club Friedrichshafen war sie einst ISAF-Vizeweltmeisterin in der damals olympischen Europe-Jolle. „Wir hatten die vergangenen Tage noch viel mit dem Boot zu tun, aber haben auch schon gut trainiert“, sagte Schumann. Trotz der überraschenden ersten Saisonniederlage in Cartagena gegen Tony Buckinghams „Ngoni“ aus Großbritannien bleibt die spanische „Iberdrola“ um Skipper Jose María Torcida klare Favoritin auf den Gesamtsieg im Audi MedCup Circuit 2011.

Das Finale beginnt am Montag, dem 12. September, in der katalanischen Hauptstadt Barcelona mit den Vorbereitungsrennen, für die mäßiger bis frischer Südwestwind vorhergesagt wurde, der dann später wieder abnimmt. Die erste Wettfahrt ist für den Folgetag geplant, bei prophezeitem Leichtwind. Die Entscheidung über den Saisonsieg im bedeutendsten Regattazirkel der Welt für Einrumpfboote fällt am Sonnabend, dem 17. September.

Gesamtstand im Audi MedCup Circuit 2011 (vor der fünften und letzten Regatta) TP 52-Serie
1. Quantum Racing (Ed Baird/USA) 129,5 Punkte 2. Audi Azzurra Sailing Team (Guillermo Parada/Italien) 133 3. Container (Udo Schütz/Selters), Skipper Markus Wieser 141 4. Bribón (Gonzalo Araújo/Spanien) 147,5 5. Synergy Russian Sailing Team (Eugeniy Neigodnikov/Russland) 164,5 6. Audi Sailing Team powered by All4One (Jochen Schümann/Kiel), 167,5 7. Ràn (Niklas Zennström/Schweden) 174 8. Gladiator (Tony Langley/Großbritannien) 303,5

1) Conde de Godo Barcelona Trophy, 11 09 2011 © Pedro Martinez/Audi MedCup 2) Conde de Godo Barcelona Trophy, 11 09 2011 © Nico Martinez/Audi MedCup 3) Region of Sardinia Trophy, 20 07 2011 © Ian Roman/Audi MedCup 4) Conde de Godó Barcelona Trophy, 11 09 2011 © Pedro Martinez/Audi MedCup 5) Conde de Godo Barcelona Trophy, 11 09 2011 © Nico Martinez/Audi MedCup

Sabina Mollart-Rogerson
Andreas Kling

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