22. August 2011
Vierte Audi MedCup-Serie in Cartagena: Vorentscheidung oder alles noch enger?
Die vorletzte Regattaserie des Audi MedCup Circuit 2011 startet im spanischen Cartagena. Kann die „Container“ mit Markus Wieser den Rückstand auf die führende „Quantum Racing“ noch weiter verkürzen? Jochen Schümann will nach dem Sieg des Audi Sailing Team powered by All4One in Cagliari wieder ganz nach vorn. Erste Rennen am Mittwoch (24. August).
Unter spannenden Vorzeichen geht der Audi MedCup Circuit 2011 diese Woche in seine vorletzte Runde. Am Sonntag (21. August) trafen sich die Hochseeyachten vom Typ TP 52 im spanischen Cartagena zum ersten Segeltraining für die vierte Regattaserie der internationalen Topevents, in der es um die Trophäe der Region von Murcia (Trophy Region of Murcia) geht. Unter den acht Mannschaften gehören zwei deutsche zu den besten. Die „Container“ von Udo Schütz aus Selters im Westerwald liegt mit ihrem Starnberger Steuermann Markus Wieser in der Gesamtwertung auf Rang zwei hinter der „Quantum Racing“ (Ed Baird/USA) und will den Sieben-Punkte-Rückstand vor dem Saisonfinale im September in Barcelona weiter verkürzen. Und der geborene Berliner Jochen Schümann wittert nach seinem ersten Sieg des Audi Sailing Team powered by All4One vor einem Monat in Cagliari/Italien Morgenluft.
„Das Feld ist nach der dritten von fünf Regattaserien enger zusammengerückt“, blickt Wieser auf die Rennen vor Sardinien zurück, mit denen er nur halbwegs zufrieden sein konnte. Zwar verkürzte der in Berlin wohnende Skipper den Rückstand auf das führende US-Team weiter. Doch als Vierte einen Rang vor der „Quantum Racing“ schrammte seine Crew nach Platz zwei zum Auftakt und den Sieg in Marseille/Frankreich dennoch an einem Podiumsplatz vorbei. Wieser: „Wir hatten uns ein paar Fehler erlaubt, die bei dieser Leistungsdichte sofort bestraft werden. Das darf uns nicht wieder passieren.“
Ganz anderer Art sind die Erinnerungen von Schümann, der nach einem verpatzten Saisonauftakt in Portugal im Mai zur Aufholjagd blies und den Worten vor Cagliari eindrucksvolle Taten folgen ließ. „Der Regattasieg war Balsam auf unsere Seelen, aber auch ein verdienter Lohn für die harte Arbeit des gesamten Teams, das nach den anfänglichen Niederlagen den Kopf nicht in den Sand gesteckt hat, sondern die Fehler schonungslos analysiert und ausgemerzt hat. Wir fühlen uns inzwischen mit dem neuen Boot eins und kommen gut zurecht.“
An der Südostecke Spaniens bei Alicante will der 57-jährige Skipper des deutsch-französischen Projekts an der Seite von Stephane Kandler beweisen, dass der überragende Gewinn in Italien keine Eintagsfliege war. „Insgesamt erwarten wir in Cartagena etwas leichtere Winde als bei den vorigen Events, was ein Umdenken im gesamten Setup erfordert, uns aber vor keine Probleme stellen sollte. Wir sind gut gerüstet.“ Das Regattagebiet liegt in einer Bucht, die von drei Seiten mit schroffen Felswänden umgeben ist. Das hat häufig erhebliche Einflüsse auf die Schwankungen des Winds vor allem in der Richtung. Stark unterschiedliche Wassertiefen sorgen zudem teils für steile Wellen, wenn die Brise doch auffrischt.
So wie am ersten Trainingstag, als der Windanzeiger bis 20 Knoten, das sind Stärke fünf, hinaufging. „Die mittelfristige Vorhersage geht aber eher von zehn bis 15 Knoten, als drei bis vier Beaufort aus“, berichtete Markus Wieser, „im unteren Bereich müssen wir noch etwas tun. Besonders mit der Vorwindperformance war der Skipper zuletzt noch nicht einverstanden, weshalb auch die Copa del Rey-Regatta Anfang des Monats in Palma de Mallorca von der einheimischen „Bribón“ unter Gonzalo Araujo gewonnen worden war. Allerdings fehlten an Bord der „Container“, die in Cartagena wieder unverändert an den Start gehen wird, auch vier Mann aus der Stammcrew, darunter Taktiker Hamish Pepper aus Neuseeland, der bei der vorolympischen Regatta im Starboot in Weymouth/England war.
Von einem Heimsieg der Spanier will auch im Audi-Lager niemand etwas hören. Denn nach Jochen Schümann hofft das Audi Azzurra Sailing Team aus Italien nach „Quantum“, „Container“ und „All4One“ der vierte Regattasieger der ausgeglichenen Saison zu werden. In der Gesamtwertung liegt die Mannschaft von Guillermo Parada sieben Punkte hinter der „Container“ auf Rang drei, also mit dem gleich Rückstand wie die Deutschen auf die „Quantum Racing“. „Wir haben unsere Stärken identifiziert und auch die Gegner genau studiert“, sagte Parada, „wir sind reif für einen Sieg.“
„Im Circuit ist wirklich noch alles drin“, glaubt auch Markus Wieser, „die Italiener sind stark und uns auf den Fersen. Aber wir werden uns aufs eigene Rennen konzentrieren und möglichst gar nicht erst in unnötige Positionskämpfe verwickeln lassen.“ Je weiter ein Team vorne liegt, desto mehr wird es von der Konkurrenz beobachtet und auf der Bahn verfolgt. Das könnte allmählich auch auf das Audi Sailing Team zukommen, wenngleich Schümann die Endabrechnung in Barcelona weitgehend aus dem Blickfeld genommen hat: „Da rechnen wir uns nicht mehr allzu viel aus.“ Ihm fehlen auf die Spitze schon 37 Zähler. Aber in den Einzelevents wolle seine Mannschaft noch zweimal glänzen.
Schümann kommt mit der Empfehlung eines Siegs nach gesegelter Zeit im Rennen von Palermo (Sizilien) nach Montecarlo (Monaco), dass er am Sonnabendnachmittag (20. August) mit der slowenischen 30-Meter-Yacht „Esimit Europa 2“ beendete. Beim ersten Training mit den „nur“ gut halb so langen TP 52 bildete sein Schiff gleich ein Grüppchen mit der „Container“ und der „Bribón“. „Wir schauen dann gegenseitig, wie es so geht, ohne ein hartes, direktes Sparring zu machen“, so Wieser, der einen neuen Leichtwindgennaker noch nicht ausprobieren konnte, also noch einen Trumpf im Ärmel zu haben hofft.
Nach dem zweiten Trainingstag am Montag – mehr erlaubt das Reglement nicht auf dem Regattarevier – steigt die Spannung am Dienstag (23. August) mit zwei so genannten Practice Races. Das sind Vorbereitungsrennen, bei denen bereits je ein Gast an Bord der Rennyachten dabei ist. Der erste Startschuss ist dann am Mittwoch für 13 Uhr vorgesehen. Bis Sonntag (28. August) stehen dann täglich zwei Kurzrennen auf dem Programm, die im Internet unter www.medcup.org per Video und Audio (auf Englisch) live übertragen werden. Nur am Sonnabend sieht der Regattakalender eine Mittelstrecke mit 1,5-fachem Wertungsfaktor vor. Gewertet wird nach dem Niedrig-Punkte-System, das heißt für einen Sieg gibt es einen Zähler, für einen zweiten Platz zwei und so weiter.
Einen Tag nach den TP 52 greift auch die Soto 40-Klasse in das Geschehen ein. Nach drei von drei möglichen Siegen wäre alles andere als ein erneuter Gewinn des spanischen Iberdrola Sailing Teams mit Steuermann Jose María Torcida eine kleine Sensation. „Nach der Kollision mit einem Presseboot hatten wir daheim in Valencia zunächst jede Menge Arbeit“, erzählte Projektleiter Agustín Zulueta, „aber die 26 Punkte Vorsprung geben uns Ruhe und Gelassenheit. Auch wir lernen immer noch viel über diese neuen, phantastischen Boote und wollen weiter Rennen gewinnen.“ Zweite ist die ebenfalls einheimische „Noticia IV“ von Iñaki Castañer.
Audi MedCup Circuit 2011
Gesamtstand (nach drei von fünf Regatten)
TP 52-Serie
1. Quantum Racing (Ed Baird/USA) 91 Punkte
2. Container (Udo Schütz/Selters) 98
3. Audi Azzurra Sailing Team (Guillermo Parada/Italien) 105
4. Synergy Russian Sailing Team (Eugeniy Neigodnikov/Russland) 121
5. Ràn (Niklas Zennström/Schweden) 122,5
6. Bribón (Gonzalo Araujo/Spanien) 125,5
7. Audi Sailing Team Powered by All4One (Jochen Schümann/Kiel) 128
8. Gladiator (Anthony Langley/Großbritannien) 218
Soto 40-Serie
1. Iberdrola Team (Spanien), 36
3. Noticia IV (Spanien), 62
3. XXII (Italien/Spanien), 73
4. Ngoni (Großbritannien), 81
5. Patagonia (Argentinien), 87
Vom Audi MedCup Circuit gibt es aktuelles Foto- und Fernsehmaterial, dass für den redaktionellen Gebrauch rechtefrei zu erhalten ist.
1) Cascais Trophy, 20 05 2011 © Stefano Gattini_Studio Borlenghi/Audi MedCup
Sabina Mollart-Rogerson
Andreas Kling
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