Dort zeigten die niederländischen Favoriten in eindrucksvoller Weise ihre
Stärke. Auch die Kielzugvögel erwiesen sich als sehr flexibel und verlegten
ihr Regattagebiet von der Ostsee in die Trave-Bucht der Pötenitzer Wiek –
ein absolutes Novum bei der Travemünder Woche.
Für die seegehenden Yachten endete die Mittelstrecke dagegen nach der „Hinfahrt“ vom Vortag in Grömitz.
Auch die Skiff-Klassen, darunter die 18-Footer ebenfalls für die
Trave-Races, mussten für einen Regattastart passen. Damit reisten die Musto
Skiffs ohne ein einziges Rennen aus Travemünde ab.
Am Morgen hatten die J/22-Segler in einem Meeting mit Bahnchef Svend Hartog
noch darüber diskutiert, wie lange sie auf segelbare Bedingungen warten
wollten, und sich darauf geeinigt, dass sie im Notfall auch ab 18 Uhr auf
die Bahn gehen würden, um die ersten Läufe für die bis Dienstag (26. Juli)
laufenden EM-Titelkämpfe einzufahren. Doch dann ging alles schneller als
erwartet. Nach einer Umverteilung der Bahnen beorderte der oberste
Regattaleiter Walter Mielke die Kielboote von der seewärtigen Bahn India auf
den landnahen Kurs Hotel vor der mecklenburgischen Küste. Um 13.10 Uhr fiel
der erste Startschuss.
Von Beginn an zeigten die niederländischen Crews, dass die Bootsklasse auf
ihren Revieren höchste Popularität genießt und selbst Profisegler anlockt,
die im vergangenen Jahr sogar die Weltmeisterschaft komplett beherrschten.
Der WM-Vierte von 2010, Ronald Veraar, setzte sich mit der Serie 1, 2, 1 an
die Spitze des EM-Feldes vor weiteren vier niederländischen Crews. Beste
deutsche Mannschaft ist auf Platz sechs das Team um Martin Menzner. Die
Kieler sind gerade erst bei der WM der J/80 auf Platz zehn gesegelt und
haben spontan für die marinepool J22-EM gemeldet. Allerdings hatten sie
dabei wegen des geringen Crewgewichts auf weniger Wind gehofft. Dennoch
legten sie mit den Platzierungen 8, 5, 8 einen guten Start hin und hoffen
nun in den kommenden beiden Tagen auf Leichtwind-Bedingungen. „Insgesamt
sind wir sehr zufrieden, allerdings hatten wir im ersten Rennen gedacht, wir
wären zu früh gestartet und sind umgedreht, um dann festzustellen, dass es
ein Holländer war. Und im dritten Rennen haben wir uns einen Penalty
(360-Grad-Strafkringel, d. Red.) eingefangen. Dafür waren wir dann noch gut
dabei. Nach ganz vorn fehlt aber ein gutes Stück. Da sind die Abstände schon
eklatant“, berichtete Menzner.
Sehr glücklich mit ihrer ungewollten „TW-Premiere“ waren die Kielzugvögel.
Selbst alterfahrene Verantwortliche der Travemünder Woche konnten sich nicht
erinnern, dass jemals auf der Pötenitzer Wiek eine TW-Regatta gesegelt
worden ist. Der Umzug wegen der heftigen Böen auf der Ostsee machte sich
aber voll bezahlt. Zwei saubere Rennen brachte die Wettfahrtleitung über den
Kurs. „Das war genau die richtige Entscheidung, hierher auszuweichen. Alle
waren damit zufrieden. Wir hatten zwei Spitzenläufe mit nicht zu viel Wind
aus konstanter Richtung“, sagte der Deutsche Meister Thomas Schiffer
(Mülheim).
„Auch wenn wir zur Travemünder Woche natürlich auf See segeln wollen, waren
wir doch froh, den Tag nicht an Land verbringen zu müssen. Und das Revier
war allemal groß genug. Im Binnenland wären wir froh über solch eine
Wasserfläche“, so Schiffer, der nach den beiden Rennen mit seinem Vorschoter
Heinz Lenz in Lauerposition auf Rang zwei hinter Alexander Antrecht/Niels
Henschel (Neustadt) liegt. „Wir haben ja noch zwei Tage, noch ist alles
offen.“ Die Finn- und Dyas-Segler schlugen dagegen die Möglichkeit aus, von
der Bahn Bravo umzuziehen und im Schutz des Festlandes und der
Priwall-Halbinsel segeln zu können.
Für ein weniger angenehmes TW-Novum sorgten die Musto Skiffs. Nur zwei Tage
hatten die Segler für ihren Travemünder Woche-Auftritt eingeplant, zwei Tage
flog ihnen der Regen waagerecht um die Ohren. Zwei Tage konnten sie daher
nur abwarten und mussten so schließlich am Sonntagabend unverrichteter Dinge
wieder abreisen. „Das war natürlich sehr ärgerlich, denn einige Teilnehmer
sind extra aus dem Süden Deutschlands nach Travemünde angereist. Aber die
Bedingungen waren einfach zu heftig, um eine Rennen zu segeln. Da unser
Regattaschwerpunkt in diesem Jahr woanders lag als 2010 mit der German Open
in Travemünde, hatten wir für die TW nur zwei Tage eingeplant, um den
Seglern auch die Regattaplanung zu erleichtern“, berichtete Iver Ahlmann,
der internationale Klassenpräsident und German-Open-Sieger.
Gleichwohl nutzten einige von den Musto Skiffs die Möglichkeit, um sich bei
einem Trainingsschlag das richtige Stehvermögen für Starkwind-Bedingungen zu
verschaffen. „Da wir schon hier waren, wollten wir auch etwas draus machen.
Und die Musto Skiffs können schon etwas mehr ab als andere Skiffklassen. Das
war aber nur aus Spaß an der Freud. Und lediglich ein bisschen hin und her
zu fahren, ist schon etwas anderes, als Regatta zu segeln. Von Land sah es
dazu alles ein bisschen harmloser aus, als es auf dem Wasser tatsächlich
war. Die Entscheidung von der Wettfahrtleitung, nicht zu starten, war
sicherlich die richtige“, sagte Ahlmann.
Ergebnisse vom zweiten Wettfahrttag der 122. Travemünder
Sonntag, 24. Juli
J/22-Europameisterschaft
Gesamtstand nach drei Wettfahrten: 1. Ronald Veraar (Die Niederlande) 4
Punkte; 2. Ivo Kok (Die Niederlande) 6; 3. Wouter Kollmann (Die Niederlande)
11; 4. Rens van Arkel (Die Niederlande) 12; 5. Marieke Poulie (Die
Niederlande) 15; 6. Martin Menzner (Laboe) 21.
Kielzugvögel
Gesamtstand nach zwei Wettfahrten: 1. Alexander Antrecht/Niels Henschel
(Neustadt) 3 Punkte; 2. Thomas Schiffer/Heinz Lenz (Mülheim) 4; 3. Axel
Fischer/Carsten Stubenrauch (Traben-Trarbach) 5; 4. Joerg Friedlein/Annette
Diehl (Bochum) 10; 5. Hans-Günter Besche/Alexander Kost (Attendorn) 11; 6.
Frank Schumacher/Hildegard Lax (Neuss) 13.
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