European Tour
PRESSEMITTEILUNG • 03/10/2012
Baugleiche MOD70-Trimarane etabliert Europarücktour 2013 mit Zielhafen Kiel?
100.000 Zuschauer erlebten bei 23 Kurzrennen in vier Städten und allen fünf Hochseeetappen über insgesamt 4.400 Seemeilen (mehr als 8.000 Kilometer) Hochspannung, die Entscheidung über Gesamtsieg und Podiumsplätze der ersten Europatour fiel erst wenige Minuten vor dem letzten Zieleinlauf: So haben sich die neuen, gut 21 Meter langen MOD70-Trimarane im professionellen Segelsport etabliert. Nach ihrem Triumph bei den Betfair City Races zum Auftakt Ende August in Kiel hatte die „FONCIA“ unter Skipper Michel Desjoyeaux auch in der Endabrechnung den Bug vorn und gewann mit zwei Punkten vor der „Spindrift racing“ von Yann Guichard (beide Frankreich). „Bronze“ ging an die Schweizer „Race for Water“ von Stève Ravussin vor der multinationale Mannschaft der „Musandam-Oman Sail“ unter Skipper Sidney Gavignet, zu der bei den Stadtrennen auch der Kieler Michael Müller gehörte. Platz fünf ging an die „Groupe Edmond de Rothschild“ mit dem Franzosen Sébastien Josse.
Mit extrem engen Zieleinläufen nicht nur in den Kurzwettfahrten der Etappenorte Kiel, Dùn Laoghaire bei Dublin/Irland sowie Cascais/Portugal und Marseille/Frankreich, sondern auch auf den langen Schlägen bis nach Genua/Italien haben die 70 Fuß langen Dreirumpfboote für Begeisterung bei den Seglern gesorgt. Die Segelshow auf engstem Raum unter Wettkampfbedingungen zog zudem vor allem an der Kieler Förde und in Irland ein großes Publikum in ihren Bann. Bei den City Races waren es oft nur wenige Meter und Sekunden, die diese pfeilschnellen Mehrrümpfer auseinander lagen. Und selbst nach mehreren Tagen segelten die Gegner meist noch in Sichtweite zueinander, am Ende trennten nur wenige Minuten die Platzierten. Mit „FONCIA“, „Spindrift racing“ und „Musandam-Oman Sail“ haben drei verschiedene Teams Hochseeetappen gewonnen, und bei den Stadtwettfahrten gab es ständig Positionswechsel und andere Sieger.
Stève Ravussin, Skipper der „Race for Water“, der im allerletzten Moment den dritten Podiumsplatz ergatterte, zog ein positives Fazit. Der Schweizer ist Mitbegründer und Botschafter der neuen Klasse, hatte den Prototypen 2011 unter anderem bei der Kieler Woche vorgestellt, um Werbung für die MOD70 und die Europatour zu machen. „Mit fünf Booten zur ersten Saison können wir zufrieden sein, weil es derzeit generell schwierig ist, Sponsoren zu finden. Insgesamt wurden bereits sieben Boote gebaut und werden hoffentlich 2013 auch am Start sein“, so Ravussin. Die ,Virbac Paprec‘ von Jean-Pierre Dick aus Frankreich scheint sicher dabei. Für ein anderes Boot wird nach dem Ausstieg des Sponsors ,Veolia‘ noch ein Käufer gesucht. Und auch das Siegerboot der Europatour 2012 verliert nach der Saison seinen Partner „FONCIA“. „Alle guten Dinge haben ein Ende“, hat sich Michel Desjoyeaux inzwischen mit dem Aus abgefunden, „für die gesamte Mannschaft war das nach fünf Jahren unter diesen Farben der bestmögliche Abschluss. Unsere Erfahrung hat sich am Ende bezahlt gemacht.“
Auch Sidney Gavignet hatte die Enttäuschung über den verpassten Podiumsplatz schnell verdaut: „Unterm Strich dürfen wir mit unserer Arbeit sehr zufrieden und stolz auf das Abschneiden sein.“ Erst vor einem Jahr hat der Weltumsegler die Aufgabe übernommen, talentierte Segler aus dem Sultanat Oman, das mit der Kampagne Oman Sail für die Urlaubregion wirbt, an die Weltspitze heranzuführen. Gavignet: „Ein Etappensieg und mehrere gewonnene Einzelrennen trösten uns über die Niederlage am Schluss hinweg. Es war sehr knapp und hätte auch glücklicher ausgehen können. Aber so ist der Sport.“ Auch der Oman-Skipper hofft auch mehr Teilnehmer in der kommenden Saison, um die „phantastischen Regatten noch spektakulärer zu machen.“
Weitere Neubauten – das Ziel sind einmal zwölf MOD70 – sind zwar derzeit nicht begonnen. Das Konzept der Einheitsklasse mit einem kalkulierbaren Budget für die Teams und absoluter Chancengleichheit für alle Starter bewerten aber auch die Veranstalter von Multi One Design (MOD) als richtungsweisendes Modell der Zukunft. Die zweite Europatour soll im Juni 2013 auf einem ähnlichen Kurs allerdings in umgekehrter Richtung starten und würde in der Ostsee zu Ende gehen. MOD-Geschäftsführer Franck David würde gerne wieder nach Kiel kommen. „Wir sind sehr zufrieden mit dem bisherigen Programm. Vor allem Kiel und Dublin haben sich als Anziehungsmagneten für die Zuschauer erwiesen. Cascais war in diesem Punkt zwar schwächer, ist aber wichtig, um das Ereignis bei Sponsoren zu präsentieren. Marseille als noch nicht so bekannter Veranstaltungsort, der zudem unter den Wetterbedingungen litt, muss stärker promotet werden“, so David.
Überzeugt von Boot und Konzept ist auch Regattaleiter Gilles Chiorri: „Die Qualität dieser Einheitsklasse ist sehr hoch, und die Rennverläufe sind eng. Das ist der Schlüssel, um eine erfolgreiche Serie zu kreieren.“ Da eigene Konstruktionen nicht erlaubt sind, können die Kosten für den Bootsbau vergleichsweise niedrig gehalten werden. Trotz des erst ein Jahr alten Designs sei die Klasse bereits ausgereift. Grund: In die Entwicklung der MOD70 flossen die Erfahrungen der ORMA-60-Trimarane ein. „Wir hatten bei den bisherigen Events zwar keine extremen Wind- und Wellenbedingungen und können daher noch keine abschließenden Aussagen über die Kenterstabilität und möglicherweise andere Schwachpunkte in schwerstem Wetter treffen. Aber die MOD70 scheinen sehr robust zu sein. Ich denke, es wären nur Details zu verändern“, so Chiorri.
Franck David hält das Regattaformat der Europatour mit Kurzwettfahrten in den Häfen und Hochseeetappen für ausgewogen, es sei nur ein Feintuning nötig. Chiorri: „Die Stadtrennen müssten in Zukunft sehr flexibel auf die örtlichen Gegebenheiten angepasst werden.“ Und die Bonuspunkte für den Prolog der Offshore-Etappen seien etwas hoch angesetzt, erklärte der Renndirektor. Dass die Offshore-Etappen keiner festen Route folgen, sondern spontan nach den Wetterbedingungen angepasst werden können, habe sich bewährt.
Ein weiteres Wachsen der Klasse würde auch Einfluss auf die Stadtrennen nehmen. Eine Flotte bis zu zehn, zwölf Boote könnte nach dem bisherigen Muster zwar in den meisten Orten bewältigt werden, die enge Kieler Innenförde stoße laut Chiorri indes schon jetzt an ihre Grenzen. „Ich mag Kiel wirklich sehr und bin gern dort. Für die Show ist das Revier mit den sehr nah am Kurs stehenden Zuschauern perfekt.“ Aber im Rennverlauf könnten für die Skipper Situationen entstehen, aus denen es keinen unfallfreien Ausweg gibt. Das Format der Zukunft müsse ein Kompromiss zwischen großer Show, Sicherheit und echtem Sport erlauben. „Vielleicht muss die Regattabahn nach Schilksee ziehen“, sagt Chiorri. Eine andere Idee: Das Feld teilen und weiterhin in der Innenförde gruppenweise gegeneinander segeln.
Bekenntnisse zu einer Wiederholung des Events gebe es laut David von allen Städten, Gespräche würden im Oktober geführt, Entscheidungen sollen im November fallen. Am ehesten scheint Genua auf der Kippe zu stehen. Unter der Hand wird Istanbul als Startort für die die nächste Europatour gehandelt. Sobald diese steht, will die Klasse auch an einer geplanten Welttour weiterarbeiten. Und auf jeden Fall soll das KRYS Ocean Race über den Atlantik wiederholt werden, das Yann Guichard mit der „Spindrift racing“ gewonnen hatte, und dadurch nun auch in der Multi One Meisterschaft führt. Die Ankunft im französischen Brest vor 250.000 Zuschauern nach dem Start in New York war ein Höhepunkt des Jahres 2012 für die MOD70.
(Ende)
Segeln in Zahlen
MOD70 Europatour
Fünfte und letzte Etappe von Marseille/Frankreich nach Genua/Italien:
1. Spindrift Racing (Yann Guichard/Frankreich), ein Tag, 15 Stunden, 21 Minuten, 22 Sekunden, 50 Punkte
2. Foncia (Michel Desjoyeaux/Frankreich), 22 Minuten, 32 Sekunden zurück, 46 Punkte
3. Race for Water (Stève Ravussin/Schweiz), 25 Minuten, 41 Sekunden zurück, 42 Punkten
4. Musandam-Oman Sail (Sidney Gavignet/Oman), 29 Minuten, 3 Sekunden zurück, 38 Punkte
5. Edmond de Rothschild (Sébastien Josse/Frankreich) eine Stunde, 14 Minuten, 37 Sekunden, 34 Punkte
Endstand der MOD70-Europatour 2012
1. Michel Desjoyeaux/FONCIA (Frankreich) 284 Punkte
2. Yann Guichard/Spindrift racing (Frankreich) 282
3. Stève Ravussin/Race for Water (Schweiz) 244
4. Sidney Gavignet/Musandam-Oman Sail (Oman) 242
5. Sébastien Josse/Groupe Edmond de Rothschild (Frankreich) 228
Ergebnisse online
http://www.mod70-europeantour.com/en/general-results.html
Audiostücke
http://www.mod70-europeantour.com/en/audio.html
Videos
http://www.mod70-europeantour.com/en/videos.html
Fotos
http://www.mod70-europeantour.com/en/pictures.html
Für Rückfragen und weitere Informationen:
Andreas Kling
German Media Manager
MOD70 European Tour
www.mod70.de
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