06.09.2012
„FONCIA“ gewinnt MOD70-Etappe Kiel–Dublin hauchdünn
Nach einem dramatischen Finish hat der Franzose Michel Desjoyeaux mit seiner
Trimaran-Crew der „FONCIA“ in der Nacht zu Donnerstag (6. September) die
erste Etappe der MOD70 Europatour von Kiel nach Dublin/Irland gewonnen. Mit
dem letzten Windhauch kreuzte das Team dreieinhalb Tage nach dem Start in
der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt die Ziellinie vor Dùn
Laoghaire ganze 31 Sekunden vor der „spindrift Racing“ mit Yann Guichard.
Dritter wurde Sébastien Josse mit der „Groupe Edmond de Rothschild“ (beide
ebenfalls Frankreich) nur weitere 46 Sekunden zurück. Platz vier ging an die
Schweizer „Race for Water“ von Stève Ravussin vor der „Musandam-Oman Sail“
mit Sidney Gavignet. Nach zwei Tagen Stadtrennen wird die Regatta am Sonntag
(9. September) mit dem Teilstück nach Cascais in Portugal fortgesetzt und
endet nach einem Stopp in Marseille/Frankreich Anfang Oktober im
italienischen Genua.
Die Nerven waren bis zum Zerreißen gespannt, als sich die drei führenden
MOD70 in stockdunkler Nacht der Küste näherten. 50 Meter vor der Ziellinie
hatte die schwache und starke drehende Brise auf nur noch zwei Knoten
abgenommen, das ist Stärke eins. Alle sechs Crewmitglieder waren an Deck und
trimmten die sonst bis zu 75 km/h schnellen Dreirumpfboote mit feinen
Händchen. Um 1.19 Uhr und neun Sekunden deutscher Zeit fiel schließlich der
Zielschuss für die „FONCIA“, die bereits die Betfair City Races in Kiel
gewonnen hatte und ihre Führung nun auf sieben Punkte vor der „spindrift
Racing“ ausbaute.
„Es war ein sehr hartes Rennen die ganze Zeit über seit dem Start in Kiel“,
berichtete der zweimalige Vendée Globe-Gewinner nonstop allein um die Welt,
„wir konnte den Kontakt zur spindrift die meiste Zeit halten, sahen aber die
Groupe Edmond de Rothschild als große Gefahr von hinten aufkommen.“ Die
MOD70 legten insgesamt rund 1.400 Seemeilen zurück und segelten durch Wasser
einen Durchschnitt von fats 17 Knoten. Michel Desjoyeaux weiter: „Am Ende
kam es auf jede kleine Winddrehung an, die wir konsequent ausgenutzt haben.“
Erst 15 Seemeilen vor dem Ziel eroberte die „FONCIA“ die Führung zurück, die
sie am zweiten Tag vor der Westküste Dänemarks abgeben musste.
In Kiel hatten fast 20.000 Zuschauer den Start der ersten Hochseeetappe
verfolgt, der bereits vom „der Professor“ genannten Desjoyeaux gewonnen
wurde. Nach zwei Runden auf der Innenförde hatte der Skipper drei
Bonuspunkte kassiert und das Feld am Leuchturm Friedrichsort vorbei auf die
Außenförde, Kieler Bucht und westliche Ostsee geführt. Bis dahin dominierte
noch eine mäßige Brise das Geschehen, bevor sich die Segler in der ersten
Nacht auf See im Skagerrak mit Starkwind, stürmischen Böen und steiler Welle
auseinandersetzen mussten. An der Kreuz Richtung Nordsee, wo es wieder
Leichtwind gab, wechselte die Führung. Die schnellste Passage erlebten die
Crews im Ärmelkanal mit Durchschnittsgeschwindigkeiten nahe 30 Knoten (rund
55 km/h).
Während das Spitzentrio immer enger zusammenrückte, kämpften die beiden
Verfolger nicht weniger verbissen gegen die „rote Laterne“. Mehrmals
wechselten die „Race for Water“ und die „Musandam-Oman Sail“ die Positionen.
Die Schweizer reduzierten 70 Seemeilen Rückstand auf wenige Kilometer und
hatten in der Irischen See den besseren Pfad gefunden, als Sidney Gavignet
mit seiner multinationalen Crew, zu der bei den Hafenrennen auch der Kieler
Michael Müller gehört. Der 29-Jährige verletzte sich allerdings beim ersten
Betfair City Race und soll erst in Kürze wieder zur Mannschaft stoßen. Eine
gute halbe Stunde nach dem Podium kam die „Race for Water“ mit den Volvo
Ocean Race-Gewinnern Franck Cammas und Thomas Coville ins Ziel, eine weitere
Stunde danach die „Musandam-Oman Sail“.
Nach 84 Stunden Hochseestrapazen bleibt den Aktiven gerade ein Tag Pause,
ehe am Freitagnachmittag (7. September) in Irland das erste von sechs City
Races startet, die am Sonnabend fortgesetzt werden. Start der zweiten
Hochseeetappe über 1.215 Seemeilen (mehr als 2.000 Kilometer) ist am Sonntag
um 16 Uhr deutscher Zeit. Der Zieleinlauf in Cascais wird am Mittwoch (12.
September) erwartet.
Segeln in Zahlen
MOD70 Europatour
Ergebnis der 1. Etappe von Kiel nach Dun Laoghaire (1.238 Seemeilen)
1. Michel Desjoyeaux/FONCIA (Frankreich)
3 Tage, 10 Stunden, 49 Minuten, 9 Sekunden
50+3 Punkte
2. Yann Guichard/spindrift Racing (Frankreich) 31 Sekunden zurück
46+1
3. Sébastien Josse/Groupe Edmond de Rothschild (Frankreich) 1 Min., 17 Sek.
42+2
4. Stève Ravussin/Race for Water (Schweiz) 35 Minuten, 16 Sekunden
38
5. Sidney Gavignet/Musandam-Oman Sail (Oman) eine Std., 34 Min., 51 Sek.
34
Gesamtstand nach Betfair City Races in Kiel und 1. Etappe
1. Michel Desjoyeaux/FONCIA (Frankreich)
65 Punkte
2. Yann Guichard/spindrift Racing (Frankreich)
58
3. Sébastien Josse/Groupe Edmond de Rothschild (Frankreich) 54
4. Stève Ravussin/Race for Water (Schweiz)
46
5. Sidney Gavignet/Musandam-Oman Sail (Oman) eine Std. 43
Zurückgelegte Strecken und Durchschnittsgeschwindigkeiten
Foncia 3d 10h 49m 9 s, 14.88kts, 1395.65nm 16.85kts
Spindrift racing 3 d 10h 49m 40sec 14.88kts 1384.27nm 16.71kts
Groupe Edmond de Rothschild 3d 10h 50m 26sec 14.87kts 1404.72nm 16.96kts
Race for Water 3d 11h 24m 25s 14.77s 1401.52nm 16.80kts
Weitere Stimmen:
Michel Desjoyeaux (Frankreich), Skipper der „FONCIA“:
„Wenn wir schneller als die anderen sind, heißt dass, wir sind besser.
Schließlich sind die Boote einheitlich.“
Yann Guichard (Frankreich), Skipper der „spindrift Racing“:
„Das war ein spannendes Finale mit drei Booten und nur hundert Meter Abstand
zueinander, besser geht es kaum. Wir hätten ohne Zweifel lieber gewonnen,
aber auch leicht Dritter werden können. Insofern sind wir ein wenig
enttäuscht, aber auf der anderen Seite auch froh. Wir haben die meiste Zeit
über geführt, konnten uns aber nie zurücklehnen. Die Strecke hat ein breites
Spektrum von Segelbedingungen geboten, von denen der Kanal-Express im Süden
Englands am eindrucksvollsten war. Wir kamen den Piers der Häfen so nahe,
dass wir beinahe die Steine abrasiert haben. An Bord gab es ein kleines
Problem mit unserem Hauptruder, das uns etwas nach rechts zog, aber das
werden wir hoffentlich schnell lösen.“
Sébastien Josse (Frankreich), Skipper der „Groupe Edmond de Rothschild“:
“Wir haben uns im Schlechtwetter etwas zurückgehalten und eingangs des
Kanals bei Dover versucht, zur FONCIA aufzuschließen. Das ist uns aber so
richtig erst am letzten Nachmittag gelungen. Aber Michel (Desjoyeaux) hat
mit uns gespielt und keinen Zentimeter hergegeben. Es war wie bei einem
America’s Cup-Rennen mit vielen Wenden, wir waren ganz dicht an ihnen dran.“
„Wir hatten keinerlei technische Probleme unterwegs. Das Boot ist wirklich
solide. Die Crewarbeit litt zunächst unter Schwierigkeiten mit unserem
Wachsystem. Erst nach dem schlechten Wetter in der Nordsee kamen wir etwas
zur Ruhe und in einen Rhythmus. In der letzten Nacht gab es dann wieder
keinen Schlaf. Alle sind ziemlich kaputt und werden den freien Tag nutzen,
um neue Energie zu tanken.“
Brian Thompson (Großbritannien) Wachführer der „Musandam-Oman Sail“:
„Das war ein großartiges Rennen, wir haben uns wacker geschlagen. Die
Bedingungen waren wechselhaft und herausfordernd. Am Ende hatten wir
schlicht Pech. Wir lagen zweimal vor der ‚Race for Water‘, aber beide Male
haben sie uns wieder überholt. Im Englischen Kanal sind wir mit 32 Knoten
nebeneinander her gerast. Bis 20 Seemeilen vor dem Ziel waren wir noch vor
ihnen. Sie segelten auf einem Kurs zwei Seemeilen weiter draußen. Bei uns
nahm der Wind dann stärker ab, und sie gewannen eine Stunde, die uns am Ende
gefehlt hat.“
Ergebnisse online
http://www.mod70-europeantour.com/en/general-results.html
Audiostücke
http://www.mod70-europeantour.com/en/audio.html
Videos
http://www.mod70-europeantour.com/en/videos.html
Fotos
http://www.mod70-europeantour.com/en/pictures.html
Andreas Kling
German Media Manager
MOD70 European Tour
|