Häfen der Côte d´Azur von Ost nach West

von Gerhard Rapp www.seglergruppe.de - Reviere Cote D' Azur

Saint Jean Cap-Ferrat (unser Heimathafen) ist unserer Meinung nach einer der schönsten Seglerhäfen. Obgleich in unmittelbarer Nähe zu Nizza, ist es doch ruhig, absolut sicher und abgeschieden. Es gibt nie Probleme beim Parken von Autos, auch Diebstähle auf den Booten sind nicht bekannt. In westlicher Richtung sind, direkt ums Cap herum, zwei wunderschöne Badebuchten gelegen. Dann kommt die Bucht von Villefranche, in der man ideal ankern kann zum Schwimmen und Relaxen. Hier ist es belebter, es liegen zum Teil auch sehr große Kreuzfahrt-Dampfer vor Anker. Reizvoll kann sein, mit dem Beiboot nach Villefranche in die schöne Altstadt (sehenswert) zu tuckern.

 

Weiter westlich folgen Nizza, mit einem uninteressanten Stadthafen, PORT DE NICE -4sm-(viele Fähren und Frachter, wenige Yachten), dann der Flughafen (Abstand halten!), der ins Meer rein gebaut wurde, danach der Yachthafen Nizza PORT DE ST-LAURENT-DU-VAR. Dies ist eine große Marina mit über tausend Liegeplätzen, direkt in der Einflugs-Schneise zum Flughafen; wird von uns nie angefahren.

 

Weiter geht es nach Westen und es folgt die MARINA-BAIE-DES-ANGES. -5sm- Diese Marina ist von Weitem erkennbar durch vier riesige geschwungen gebaute Appartement-Häuser. Interessant kann diese Marina als Schutzhafen bei Mistral sein, da es im Innenbereich durch die Häuser absolut windgeschützt ist. Ferner ist ein großer BENETEAU-Händler angesiedelt, falls mal ein Ersatzteil benötigt wird. Noch sechs Meilen weiter westlich und wir sind im PORT-VAUBAN/ANTIBES, dem nach BRT größten Yachthafen in Frankreich. Entsprechend wenig attraktiv ist er für uns Segler, teuer und mit miserablen sanitären Einrichtungen. Das wenige was Antibes anzulaufen wert macht, ist ein durchaus sehenswertes Picasso-Museum und dann auch ein guter Segelmacher ( Delta Voiles T. 0693341362 )

 

Auf der anderen Seite des Cap Antibes befindet sich noch ein kleiner Hafen, danach kommt die Bucht GOLFE JUAN und wir erreichen die ILES DE LERINS. Diese zwei vorgelagerten Inseln sind sehr interessant und obligatorisch bei unserer Route in den Westen. Auf der ILE SAINT-HONORAT befindet sich ein schönes Kloster ( nur mit Beiboot anzulegen ) und auf der ILE SAINTE-MARGUERITE sind viele Gewächshäuser und ein schönes Fort. Interessant, wenn auch in der Hochsaison immer ziemlich voll, zwischen den Inseln zu Ankern. NIE versuchen, zwischen den Inseln

durchzufahren, auch wenn das einige Franzosen vormachen, die Wassertiefe ist stellenweise deutlich unter zwei Meter!!

 

Jetzt sind es nur noch zwei Meilen bis nach CANNES. Dort gibt es einmal den PORT CANTO, den wir kaum anlaufen, weil er relativ weit von der Stadtmitte weg ist, und unseren Haupthafen , der mitten in der Stadt liegt. Hier generell anmelden über Kanal zwölf und einen freien Platz erfragen. Die sanitären Einrichtungen wurden saniert und sind jetzt akzeptabel, sehr gut ist die Capitanerie ausgestattet, mit ausgezeichneter Wetterprognose über Monitor.

 

Obligatorisch sollte man einen Ausflug auf den Hügel links vom Hafen machen, wo man von einer Kirche und einem sehenswerten Museum einen phantastischen Rundblick über Cannes und die Inseln hat. Beim Rückweg hält man sich dann links und kommt durch eine hübsche Gasse, an der Lokal um Lokal gelegen sind. Dort sieht es so gut und einladend aus, daß man die Crew kaum wieder zurück aufs Schiff bekommt. Es gibt ideale Einkaufsmöglichkeiten, große Supermärkte, kleine Spezialitätenläden und täglich einen Frischmarkt.

 

Der GOLFE DE LA NAPOULE zieht sich nach Nordwesten weiter, den großen Hafen PORT LA NAPOULE kann man anlaufen, wenn einem der Sinn nach einer modernen Marina steht, mit vielen Touristen-Lokalen, aber auch Nautik-Händlern. Wir machen aber lieber Station im verschlafenen PORT DE LA RAGUE, der preiswert und absolut ruhig und gegen auch heftigsten Mistral total geschützt ist. Viele Bootseigner haben diesen Hafen zum Heimathafen gewählt, entsprechend wenig Durchgangsverkehr gibt es. Die sanitären Einrichtungen sind OK und es ist überall im Hafen sauber.

 

Am CAP ROUX vorbei geht es dann weiter, an kleinen Häfen vorbei, von denen die meisten mit unserem Tiefgang nicht angelaufen werden können, zur BAIE DE St RAPHAEL. Die drei Marinas in Fréjus und St. Raphael sind nicht sehr attraktiv und werden von uns ohne Not auch kaum angefahren. Zehn Seemeilen weiter westlich kommt dann der GOLFE DE SAINT TROPEZ. Bei der Ansteuerung beachten, daß man sich von Osten her kommend südlich der Ansteuerungstonne "La Seche à huile" hält, vorher noch die Gefahrenstelle "Les Sardinaux" beachten. Im Golf ist ein

Verkehrs-Trennungs-Gebiet, das jedoch von vielen ignoriert wird. In diesem Golf-Bereich sind über zehntausend Sportboote unterwegs und es ist im Sommer oftmals ein Verkehrsaufkommen, wie auf der A8 zwischen Stuttgart und München. Leider fahren auch viele Power-Boote mit autobahnähnlicher Geschwindigkeit. Auf der rechten Seite des Golfes erreichen wir SAINTE MAXIME, modern und weniger reizvoll.

 

Unbedingt sehenswert sind zwei Häfen im Golf, einmal das berühmte PORT GRIMAUD das inzwischen seinen Retorten-Charakter abgelegt hat und eine sehr reizvolle Architektur und Vegetation aufweist. Hier hat man einen guten Schutz vor Winden in allen Richtungen da man ja, ähnlich wie in Venedig über viele Kanäle innerhalb einer Lagunenstadt ankert.

 

Sehr gute sanitäre Einrichtungen, hübsche und preiswerte Lokale und eine hervorragende Infrastruktur machen diesen Hafen zu einem Highlight.

 

Nicht weniger interessant ist aber selbstverständlich Saint Tropez, das ebenfalls bei unserem "Go West Törn" angelaufen werden sollte, während die dazwischen liegende MARINE DE COGOLIN weniger interessant ist. Hier ist aber unser Bootsbetreuer Gerhard Zeitvogel zu finden, der unsere Yachten bootstechnisch wartet und bei eventuellen technischen oder logistischen Problemen immer helfen kann ( Tel. 0609783272 )

 

 

In Saint Tropez ist es während der Hauptsaison fast unmöglich einen Platz zu bekommen, außerhalb der sechs " heißen Wochen", zeigt sich aber das Städtchen von einer unwahrscheinlich reizvollen Seite. Der Hafen liegt sehr schön und es ist

sehenswert, wie jeden Abend Mega-Motor- und Segelyachten einlaufen; mit mehr oder weniger dekadenten Leuten an Bord, die sich an den Zuschauern und Gaffern am Kai ergötzen.

 

Auch hier machen wir gerne einen obligatorische Ausflug, hoch auf die Zitadelle von der man einen tollen Rundblick über den ganzen Golf hat. Bei der Abenddämmerung sind dort immer Pfaue zu sehen, die von der Mauer der Zitadelle einige Meter runter segeln auf Pinien-Bäume, um dort zu übernachten und am nächsten Morgen wieder zu Fuß nach oben laufen.

 

Einkaufsmöglichkeiten sind auch hier vorhanden, es gibt auch einen kleinen, wenn auch etwas teueren Fischmarkt.

 

Wir fahren weiter, wieder aus dem Golf raus und beachten die beiden steuerbordseitigen Ansteuerungstonnen "Ile de Rabiou" und "La Moutte" ( Vorsicht - es gibt dort wirklich gefährliche Untiefen). Am CAP CAMARAT vorbei, geht es

weiter nach CAVALAIRE. Dort ist ein hübscher Hafen, sanitäre Einrichtungen und Einkaufsmöglichkeiten sind OK.. PORT DU LAVANDOU lassen wir meist liegen, eine moderne, häßliche Marina, ebenso BORMES-LES-MIMOSAS und laufen als nächste Etappe auf die Inselgruppe PORQUEROLLES.

 

ILE DU LEVANT ist eine Militär-Insel und darf nicht angelaufen werden. ILE DE PORT-CROS ist sehr schön zum Ankern, hat aber überwiegend nur Ankerbojen in einem gegen Mistral ungeschützten kleinen Hafen.

 

Auf der Hauptinsel ILE DE POQUEROLLES ist der gleichnamige Hafen, ein absolutes Highlight auf einem Törn. Der Hafen ist gut gegen alle Winde geschützt, und wenn es nicht gerade Mitte Juli bis Mitte August ist, findet man bestimmt auch

einen schönen Platz. Sanitäre Einrichtungen sind vorhanden, aber wenig Einkaufsmöglichkeiten, da eben alles per Fähre rüber geschafft werden muß. Die Inseln sind autofrei und es macht Spaß, mit der Crew zusammen bei einem der zahlreichen Anbieter Mountainbikes zu mieten und einen Tag über die Insel zu radeln, auf jeden Fall lohnt es sich hier, mindestens einen Tag Aufenthalt einzuplanen.

 

Die auf der Küstenseite gelegene größere Stadt HYERES mit dem gleichnamigen Hafen ist weniger interessant und wird von uns nur als Nothafen angefahren, oder wenn auf den Poquerolles kein Platz ist.

 

Weiter nach Westen: an TOULON vorbei, nach BANDOL, wo auch der gleichnamige, gute Wein her kommt. Dies ist ein netter Hafen in einem hübschen Städtchen. Weiter geht es zur nächsten sehenswerten Station, nach CASSIS. Auch dort

gibt es einen interessanten Hafen und einen berühmten Wein. Dies ist zugleich auch der Ausgangspunkt für die zahlreichen Calanchen, z.B. Morgiou oder Sormiou, phantastische Felseinschnitte, oftmals nur sechs bis acht Meter breit, in die man

langsam einfahren kann. Links und rechts Felswände über hundert Meter hoch! Einerseits auch hier natürlich hervorragender Schutz bei Mistral andererseits hat man schon bei schönen Wetter Probleme mit der Ansteuerung, weil man eigentlich nur wenige hundert Meter vor den Einschnitten erkennen kann, wie und wo es rein geht.

Wenn man Lust und Zeit hat, kann man noch an der Insel ILE RIOU vorbei nach MARSEILLE in den riesigen Hafen VIEUX-PORT einlaufen. Der Hafen ist nicht besonders sauber und auch die Stadt strotzt vor Schmutz und Kriminalität. Weiter nach Westen kommt man in die Camargue, wir beenden aber unsere Westküsten-Törns meistens in Cassis, da wir ja auch wieder zurück segeln müssen in unseren Heimathafen Cap Ferrat. Dies oft mit Mistral im Rücken und wenn wir nach Westen sechs bis sieben Tagesetappen eingeplant haben, schaffen wir nicht selten den Rückweg in zwei bis drei Tagen.

Gerhard Rapp

Maulbronn, Juli 1999



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