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SEGELN AUF DER SERENA - TEIL 2

Am nächsten Morgen gab es, wie üblich an Bord, die 8-9-10 Regelung, die besagt, daß gegen 8.00 ein allgemeines Wecken, gegen 9.00 das Frühstück und gegen 10.00 das Ablegen geplant ist Das Wetter war am Sonntag sehr bewölkt, doch auf Höhe der Ille Laurent war der kurze Regenspuk vorbei und die Sonne zeigte sich wieder. Wir erfragten über UKW Kanal 12 einen freien Liegeplatz und legten im alten Hafen mitten in Cannes an. (43° 33Ž, 0 N, 07° 01Ž , 0 E)

Nach einem obligatorischen Stadtrundgang kauften wir für das Abendessen ein.und Gerhard, unser Profikoch zeigte zum ersten Mal auf diesem Törn, was er gelernt hat. Generell wird jeder an Bord gleichermaßen eingesetzt, tagsüber beim Segeln und des Abends in der Kombüse.

Am nächsten Tag ging es bei wenig Wind aus Süd-Ost weiter nach St. Tropez. Kurz vor der Ansteuerungstonne "Les Sardinaux" frischte der Wind ordentlich auf und wir konnten den bisher mitgelaufenen Diesel abschalten und mit über 6 Knoten in den Golf hineinrauschen. Wir erfuhren über Funk, daß kein einziger Liegeplatz mehr zu haben war und segelten deshalb noch 3 Meilen weiter in den kleinen Hafen Port Cogolin. Dieser Hafen liegt ca. 800 m nördlich der Küste und kann nur über einen Fluß mit einer Tiefe von 1,80m angesteuert werden.

Zu Strom und Wasser gibt es in Frankreich ein Kuriosum. In wirklich jedem Hafen gibt es andere Adapter, oftmals sogar innerhalb eines Hafen an verschiedenen Plätzen!! - Inzwischen haben wir die wahrscheinlich vollständigste Adaptersammlung an der Côte dŽAzur. Ähnliches gilt für das Wasser, hier fahren wir mittels diverser Adapter immer auf unser Gardena-Steck-System. Nicht selten helfen wir mit unserer perfekten Adapter-Sammlung einem verzweifelten Skip aus der Nachbarschaft aus..

Nun, wir haben an diesem Abend Gambas und Thunfisch gegrillt, mit Riesenportion Salat dazu und einem guten Rosé.
Am nächsten Morgen haben wir uns nach der Belegung der Häfen in der Gegend erkundigt, da wir eigentlich noch auf die Poquerolles wollten. Unser Schiffsbetreuer konnte uns aber keine Hoffnung machen, einen Liegeplatz auf dieser Inselgruppe zu bekommen und so entschied ich - nach kurzer Diskussion mit der Crew - noch heute nach Korsika zu segeln.
Wir machten zuerst noch einen Abstecher nach St. Tropez, weil es immer noch keine Liegeplätze gab, die Crew schickten wir, mit guten Ratschlägen, was interessant wäre, anzusehen, was wir bunkern müssen für die Überfahrt, in das kleine Städtchen.
St.Tropez hat eine einzigartige Atmosphäre, wenn's nicht gerade so in der Hochsaison ist, wie wir es an diesem Tage erlebten. Wir waren sehr froh, als unsere Crew wieder vollbepackt und müde am Kai stand und wir sie aufnehmen konnten..
Wir verließen den Ort des Trubels und steuerten bei schwachem Wind aus Süd/West mit leicht mitlaufender Maschine gen CALVI. Das Meer war spiegelglatt wie selten in diesem Revier und wir (motor-) segelten unter Autopilot und GPS-Zielsteuerung.
Wir begegnen auf dieser Route zahlreichen Delphinen, manchmal auch Walen, da zwischen Nizza, San Remo und Cap-Corse ein großes Delphin- und Walschutzgebiet ausgewiesen ist. Innerhalb dieses Gebietes dürfen keine Treibnetze ausgebracht werden. Ich versprach meiner Crew heute noch dieses Ereignis, aber es ließ sich den ganzen Tag über, auch am frühen Abend, keines dieser faszinierenden Tiere blicken. Erst am späten Abend, kurz vor der Dämmerung, sahen wir querab, ca. 300m von uns entfernt, eine große Delphinschule.
Wir stoppten, wie üblich bei Delphinkontakten, die Maschine und dümpelten unter Segel auf die Gruppe zu, die aber immer wieder verschwand und offenbar keine Lust zur Kommunikation hatte.
Wir waren ziemlich verwundert über das seltsame Verhalten der Delphine. Normalerweise sind diese sehr zutraulich. Ich habe viele Bilder und Videos, auf denen zu sehen ist, daß wir oft 20, 30 Minuten von Delphinen regelrecht zum Spielen aufgefordert werden und diesem Wunsch natürlich auch gerne entsprechen. Beim Schwimmen mit den Delphinen lassen diese sich allerdings nie berühren, fordern aber regelrecht zum Wettschwimmen auf.
Nun, an diesem Abend war es wohl nix..
In dieser Nacht ging es recht ruhig zu. Zwar eierte unser VOLVO-Perkins (50PS) mit 1.400U/min relativ leise vor sich hin, dafür mußten wir keinen Strom sparen und außer den Navigations-Lampen hatten wir alle 3 GPS-Systeme, den Kartenplotter, den Radar, ALLES in Betrieb, auch deshalb, weil unser Co-Skip Torsten von der Technik an Bord überwältigt war und die halbe Nacht die verschiedenen Systeme miteinander verglichen hat.

Ich übernehme meist die erste Wache, damit die Crew zum Schlafen kommt, und danach die Hundewache am frühen Morgen. Gegen 8.00h, wir hatten bereits Sicht auf das im Dunst liegende Korsika und schon kräftigen "Korsika-Wind" mit ca. 20 Knoten aus Süd-West, sahen wir in der Ferne noch einige Delphingruppen.
Nach ca. 115sm Fahrt tauchte Calvi auf (42° 34ŽN - 08° 45ŽE) eine der schönsten Häfen auf Korsika, hat eine mächtige Zitadelle zur Ansteuerung und ist sehr geschützt durch eine tiefe Bucht und eine lange Außenmole.
Auch hier war der Hafen ziemlich voll und nur weil wir am späten Vormittag schon ankamen, konnte uns ein freier Platz zugewiesen werden. Nach dem Anlegen und einem Begrüßungs- und Manöverschluck lud ich die Crew zu einem kurzen Orientierungsrundgang durch Calvi ein, schleppte sie durch die Gassen, zur Zitadelle hoch. Beim Essen entschieden wir, noch einen Tag hier zu bleiben. Am nächsten Morgen besorgten wir einen Mietwagen und Heike mit ihren Söhnen, Gerhard und Torsten fuhren auf einer Route, die wir empfohlen hatten, über Porto nach Ille Rousse und kamen erst am Abend zurück.
Heike und ich nutzten die Zeit, um zu putzen, Motor- und Batteriecheck und Siesta zu halten. Wir bereiteten ein leckeres Geburtstags-Essen (Fischsuppe, Scampi und Thunfisch vom Grill, Riesensalat, ein Dessert von Danone) und ließen unseren 5l Weinkanister mit dem guten Korsika-Rosé füllen. Nach diesem opulenten Essen rollten wir in unsere Kojen und freuten uns auf den nächsten Tag, denn da waren St. Florent und unsere Badebucht angesagt.
Gegen halb Zehn verließen wir den Hafen auf östlichen Kurs, mit frischem Wind genau von achtern mit ca. 25 Knoten. Da läuft unser SERENA-Mädchen, mit Bullenstander und schon mit erstem (Roll-) Reff ca.7 Knoten,sodaß die Nordküste Korsikas an uns geradezu vorbeirauschte.
Schon nach 2 Std. hatten wir die zwischen Ile-Rousse und St.Florent liegende Badebucht erreicht. Wir ankerten auf ca. 5m Sandgrund und gaben wegen reichlichem Schwell kräftig Kette dazu. Dort verbrachten wir einige Stunden, dann mahnte ich zur Weiterfahrt, damit wir in St. Florent (42° 40Ž,8 N - 09° 18Ž,0E) noch einen Platz bekommen, was uns dann auch noch gelang. Wir bezahlten gleich 3 Tage, da wir von hier aus kleinere Touren zu verschiedenen Badebuchten und reizvollen kleinen Häfen planten.
Vorteil dieser Vorauszahlung ist die Sicherung des Liegeplatzes und wir so auch später am Abend zurückkommen können. TIP: Gangway (schließen wir an Mooringkette) und Leinen liegenlassen, dies ist das Zeichen für andere Segler, dieser Platz ist belegt. Es ist eben doch ziemlich voll in den Häfen Korsikas in der Hochsaison.
Wir verbrachten diese drei Tage in und um St. Florent mit viel Sonne, nachmittags auch immer prächtigem Segelwind, Schwimmen, Schnorcheln, und opulentem Grillen. Es ist ganz einfach phantastisch, nach einem schönen Segeltag den Abend , den Sonnenuntergang, bei gutem Essen und Trinken im Cockpit zu genießen. Es gibt immer viel zu erzählen und zu lachen.
Am Montag ging es dann weiter, am kleinen Finger Korsikas lang, um Cap-Corse herum, nach Macinaggio (42° 57ŽN - 09° 27ŽE); auch dies eine sehr reizvolle Tour. Der üblicherweise vorherrschende Westwind wird von dem bis zu ca. 1350m hohen Bergrücken abgelenkt, so daß wir mit etwas Abstand zur Küste segeln; auch wegen vorhandener Untiefen.

Ab und zu lohnt es sich aber unbedingt, mal eine zauberhafte Bucht anzulaufen, oder vor Centuri zu ankern und mit dem Beiboot (Hafentiefe nur ca. 1,4m) in den alten Hafen zu tuckern, etwas trinken zu gehen und dabei das herrliche Panorama zu genießen.
Wollen Sie noch weiter mitsegeln nach San Remo?
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Segeln blindes gif
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