Prüfungstörn - Seite 2


An diesem Tag übten wir schon ein paar Kreuzpeilungen, ermittelten mit dem Sextanten Horizontalwinkel und machten Abstandsbestimmungen per Höhenwinkelmessung.
Am nächsten Tag warteten wir erst einmal an der Hebebrücke und fuhren dann durch den Alesund unter Besansegel nach Middelfart - es war der landschaftlich schönste Abschnitt unseres Törns mit den bis an das Ufer reichenden Wäldern der Inseln und Buchten.
Bis Fredericia kreuzten wir in kurzen Schlägen unter den beiden großen Brücken hindurch und erreichten dann unter Motor - wegen des NO-Windes - Samsö.
Von hier aus besuchten wir Aarhus mit seiner schönen und sehenswerten Gamle By, der alten Stadt, in der ein Stück altes Dänemark in einem idyllischen Park aufgebaut ist.
Die Nachtfahrt von Aarhus nach Keterminde war doch spannender als wir dachten. Der Mond war noch nicht aufgegangen, als wir eine Engstelle mit einer Untiefe von 0,9m passieren mußten. Also motorten wir vorsichtig an der unbeleuchteten Besentonne der Untiefe vorbei und nahmen für das enge Fahrwasser doch lieber unser Radar zu Hilfe.
Schließlich gerieten wir in ziemliche Aufregung, weil die vor uns liegenden Richtfeuer eine andere Kennung hatten als auf unserer Seekarte eingezeichnet. Des Rätsels Lösung: Wir hatten noch den Seekartensatz vom letzten Jahr an Bord - weil wir ja Skagen runden wollten - und einige Feuerkennungen waren in der Zwischenzeit geändert worden.
Nach einem Ruhe- und Reparaturtag in Keterminde liefen wir morgens um 3 Uhr aus, um den langen Abschnitt bis Ærøskøbing zu schaffen. Mit halbem Wind gings an der Westseite von Langeland entlang zum Svenborgsund - einem weiteren highlight in dänischen Gewässern. Mit meheren Kreuzpeilungen und Abstandsbesimmungen fanden wir Anfänger schließlich die Einfahrt in den Svendborgsund und lernten nach der Passage in der darauf folgenden ausgebaggerten und engen Fahrrinne, wie man einen exakten Kurs fährt.
Am Nachmittag hatten wir das hübsche Städtchen Ærøskøbing erreicht, wo man sich in die Welt von Christian Andersen zurückversetzt fühlt.
Alle Prüfungen sind geschafft - nun geht es zurück. Bei frischem NW schieben wir 20 Grad Lage und machen dabei stolze 9-10 Knoten Fahrt. So erreichen wir bei einem Super-Segelwetter viel zu früh Schleimünde, wo wir klar Schiff machen, bevor wir in die Schlei einlaufen und in Arnis noch einen zünftigen Abend mit gutem Essen und viel Bier verbringen sollten.
Mit der Bescheinigung über 902 Seemeilen und den Prüfungszeugnissen für den BR- und BK-Schein in der Tasche gings wieder per Zug zurück in die Heimat - nun waren wir einigermaßen gerüstet für unseren ersten Törn mit eigenem Schiff. Wir hatten eine Menge dazugelernt: die praktische Schiffsführung auf See, das Navigieren mit Karte, Radar und Sextant, vor allem aber die nötige Vorsicht und Umsicht, die bei einem Törn sowohl unter Landsicht wie auch außerhalb der 3-Meilenzone immer geboten ist. Es war insgesamt eine runde Sache, an die wir uns gern erinnern.
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Segeln blindes gif
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