29. Dezember 2004
„Aera“ vor dem Sieg / 54 Crews gaben im Sturm auf
Auch die Hamburger „Vineta“ musste mit Wasser im Schiff passen
Sydney/Hobart – Haushohe Wellen und orkanartige Sturmböen waren die harschen
Kennzeichen des 60. Rolex Sydney to Hobart Yacht Race der Hochseesegler.
Bereits 54 der 117 teilnehmenden Boote gaben das Rennen teils mit schwersten
Schäden auf. Auch die neue „Vineta“ des Hamburger Reeders Felix
Scheder-Bieschin brach die Regatta nach einem Wassereinbruch ab. Als Erste
erreichte die 27 Meter lange Maxiyacht „Nicorette“ des Schweden Ludde
Ingvall nach 628 aufreibenden Seemeilen das Ziel in der tasmanischen
Hauptstadt. In der Gesamtwertung führte am Mittwoch (29. Dezember)
allerdings die britische „Aera“.
Bei idealen Segelbedingungen waren sie am Zweiten Weihnachtstag vor der
Traumkulisse von einigen hunderttausend Zuschauern in Sydney gestartet. Doch
die Sturmwarnungen der Meteorologen hielt bereits am zweiten Tag, was sie
prophezeit hatten. Aus Süden gegen die Fahrtrichtung des Felds rollten die
Wasserwalzen auf die Segler zu. „Die Wellen bauten sich sehr schnell auf und
brachen oben auf den Kämmen“, schilderte „Aera“-Skipper Jez Fanstone die
Szenerie. „Trotzdem waren wir nur unter dem kleinen Trysegel noch neun
Knoten schnell.“ Seine vermeintlich riskante, weil 150 Seemeilen weit
draußen auf hoher See gewählte Route zahlte sich aus. Nach berechneter Zeit
war die Ker 55 viereinhalb Stunden schneller als die größere „Nicorette“.
Auch die Marten 49 „Vineta“ lag in der ersten Hälfte gut im Rennen, meist
unter den besten 20. Und die notorische Bass-Straße hatte sie fast schon
überquert, als die Mannschaft unter Deck ungewöhnlich viel Wasser im Schiff
entdeckte. „Da wir nicht feststellen konnten, wo das her kam, und ob es mehr
werden könnte, haben wir uns zu Gunsten der Sicherheit entschlossen,
aufzugeben“, berichtete der Eigner nach Hause. Das war am Montag Abend
deutscher Zeit. Die Crew, die jederzeit wohlauf war, lief mit der „Vineta“
nach Eden ab, wo sie aufgeräumt und repariert wurde. Am Mittwoch war das
Team bereits auf dem Rückweg nach Sydney.
So glimpflich zog der Sturm nicht an allen Yachten vorüber. Am schwersten
erwischte es die Maxiyacht „Skandia“, ein Topfavorit für den Gesamtsieg. Als
die Hydraulik für den modernen Schwenkkiel in schwerer See ausfiel und der
Kiel maximal ausgeschwenkt blieb, verließ die Crew um Skipper Grant
Wharington (Australien) die 30-Meter-Yacht und stieg in die Rettungsinseln,
aus denen sie aufgelesen wurde. Wenig später brach der Kiel ab, und das Boot
kenterte. Es soll jedoch an Land geschleppt werden.
Nach dem Unglück schien die Bahn frei für die „Konica Minolta“ von Stewart
Thwaites aus Neuseeland, die der „Skandia“ 2003 nur um 14 Minuten unterlegen
war. Doch eine Monsterwelle, doppelt so groß wie die laufenden, warf das 27
Tonnen schwere Schiff so heftig ins Wellental, dass es auseinander zu
brechen drohte. „Wir hörten ein lautes Krachen und stellten anschließend
Risse im gesamten Kajütdach fest“, so Thwaites, „noch so ein Ding und wir
hätten das Boot zerteilt.“
Zu den prominenten Opfern der Jubiläumsregatta gehörte auch ihr Veteran Syd
Fisher. 35 Rolex Sydney-Hobarts hat er gesegelt; diesmal brach auf seiner
Farr 50 „Ragamuffin“ der Mast. Noch waren am Mittwoch vor allem etliche
kleinere Boote auf See, von denen einige zumindest noch theoretische Chancen
auf den Gesamtsieg hatten. Der stürmische Wind soll indes zum Jahresende
nachlassen.
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