Pressemitteilung von der Rolex Transatlantic Challenge 2005
1. Juni 2005
„Mari-Cha IV“ vor historischem Segelrekord
100 Jahre hatte er gestanden wie eine unüberwindbare Mauer, am heutigen
Mittwoch (1. Juni) wird er wohl fallen: Der legendäre Segelweltrekord des
Amerikaners Charlie Barr, der mit seinem Schoner „Atlantic“ 1905 den
gleichnamigen Ozean in einer Regatta von New York nach England in gut zwölf
Tagen überquert hatte. Am zehnten Tag der Rolex Transatlantic Challenge
jedoch lag die 43 Meter lange Megayacht „Mari-Cha IV“ von Eigner Robert
Miller (Hongkong/New York) und seiner Crew in den frühen Morgenstunden nur
noch wenige Seemeilen vom Ziel am Lizard Point entfernt und war auf dem
besten Wege, die alte Rekordmarke um rund zweieinhalb Tage zu verbessern.
„Dies ist meine siebte Atlantik-Überquerung und mit Sicherheit meine
härteste“, bekannte Robert Miller. „Wir haben nicht nur die ersten sechs
Tage gegen den Wind kämpfen müssen, was uns das Leben extrem schwer gemacht
hat. Danach sind wir ständig am Limit gesegelt, was ein hohes Risiko für
Boot und Mannschaft bedeutete. Mitunter hatte ich das Gefühl, dass der Geist
von 1905 – Charlie Barr – von oben auf uns herab blickte und sich über jede
unserer Anstrengungen köstlich amüsierte. Allerdings bleibt wenig Zeit, um
über so etwas nachzugrübeln. Schließlich wollen wir ein Rennen gewinnen. Die
Konkurrenz hat uns ebenfalls zugesetzt – aber auf angenehme Weise. ‚Maximus’
und wir waren das ganze Rennen über dicht beieinander, manchmal nur 15 bis
20 Seemeilen von einander entfernt.“
Obwohl die „Mari-Cha IV“ 40 Fuß (gut zwölf Meter) länger ist als die frisch
vom Stapel gelaufene Slup „Maximus“ von Charles Brown und Bill Buckley aus
Neuseeland, schien es lange Zeit, als seien die beiden Boote wie durch ein
Gummiband miteinander verbunden. Der gigantische Schoner eroberte erst am
vergangenen Sonntag erstmals nach seinen erheblichen Riggschäden die Führung
auf dem Wasser zurück. Laut Navigator Jef d’Etiveaud lief sie mit am
Dienstagnachmittag bei einer 20-Knoten-Brise aus Südwest mit 20 Knoten
Bootsgeschwindigkeit. „Wir prügeln das Boot vorwärts. Uns ist klar, dass die
‚Maximus’ und wir bei diesen Bedingungen ähnlich schnell sind“, sagte er und
fügte hinzu, dass die Yacht trotz der Riggprobleme in der Vorwoche deswegen
wieder am Limit gesegelt werde, um zumindest als Erster im Ziel zu sein.
„Wir müssen uns alle sehr konzentrieren, aber so lange wir ein paar Meilen
Vorsprung behalten, sind wir sehr glücklich.“
Während sich die „Mari-Cha IV“ und ihre Crew im Ruhm sonnen könnten, das
schnellste Rennen aller Zeiten nach The Lizard gesegelt zu sein, scheint der
„Maximus“ der Sieg in der Grand Prix-Klasse nach korrigierter Zeit nicht
mehr zu nehmen zu sein. Schließlich muss der größere Schoner der kleineren
Slup für jeweils 24 gesegelte Stunden 79 Minuten vergüten. Der nach dem
Zwischenstand zu erwartende Abstand dürfte im Ziel aber nur zwischen 90
Minuten und zwei Stunden betragen.
Ein Großteil der Regattaflotte, beginnend mit den Führenden, darf sich
derzeit über angenehmen Südwestwind von 20 bis 30 Knoten freuen, was
wesentlich höhere Geschwindigkeiten bedeutet als in den Tagen zuvor. Im
Matchrace der beiden von Dubois entworfenen 170-Fuß-Yachten in der
Performance Cruising Class 1 verteidigt die von der Societe Nautique de
Genève gecharterte Slup „Tiara“ ihren Vorsprung vor der Ketsch „Drumbeat“.
In Führung liegt hier allerdings Chris Gongriepes kleinerer Schoner
„Windrose“. Die moderne Yacht im klassischen Holland-Look läuft einen
südlicheren Kurs als die Grand-Prix-Maxis.
Rund 450 Seemeilen hinter den 170-Fuß-Yachten, lag am Dienstag die von Bugs
Baer and William Hubbard III gecharterte, 80 Fuß (24,4 Meter) lange, von
Sparkman & Stephens gezeichnete „Tempest“ an der Spitze der Cruising
Performance Class 2. Ihre Crew genieße zwar den schnellen Ritt über den
Atlantik, berichtete Bugs Bear, indes: „Regattasegeln bei 30 Knoten Wind
strengt an. Uns ist ein Spinnaker geplatzt, der aber gerade repariert wird
und bald wieder oben sein sollte. Wir hatten auch kleinere Probleme mit
unserer Ausrüstung. Es gibt aber keine Verletzungen, abgesehen von Zerrungen
oder ein paar blauen Flecken. Ich denke, wir werden alle gesund ankommen.
Aber es ist ein hartes Rennen – schwieriges Steuern und enorme Belastungen
für die Ausrüstung.“
Ansonsten erweist sich der Atlantik als einsamer Ort. „Wir haben seit sieben
Tagen kein anderes Boot gesehen“, sagte Baer. „Wir haben uns über Funk mit
einem Neun-Meter-Boot unterhalten, das an einer Regatta von Barbados zu den
Azoren teilnahm. Sie hatten unseren Mast entdeckt und uns angerufen. Wir
haben ihren allerdings nie entdeckt.“ Bei den klassischen Yachten hatte A.
Robert Towbins „Sumurum“ am Dienstag 140 Seemeilen Vorsprung vor der
„Nordwind“ des deutschen Eigners Dr. Hans Albrecht.
Von Bord der „Atlantic“ schrieb Frederick Hoyt einst 1905 am zehnten Tag der
Regatta um den Kaiser’s Cup: „Schlimmer und immer schlimmer. Als ich an Deck
stieg, stürmte es aus Südwesten und schwere Wellen rollten heran.“ Vier mit
Öl gefüllte Schläuche wurden nach einander über Bord geschüttet, um das
Wasser zu glätten – ohne viel Erfolg. Das Schiff hatte in schwerer See
Sturmbesegelung gesetzt. Die Wachführer mussten sich am Steuerrad
festbinden. Immer wieder rollten Brecher über das Deck der ‚Atlantic’.“
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Andreas Kling
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