Abenteuer Abora 3 - Mit antikem Schilfboot von New York nach Europa
Dominique Görlitz will antike Überseefahrten beweisen
www.abora3.de - Übersicht


22.07.2007
Tag 16 - 26.07.2007
Noch immer hält ein Tiefdruckgebiet die ABORA III vor Amerika fest

Segeln ist ein bisschen wie Schachspielen. Winde, Kurse, Strömungen und Wetterveränderungen müssen rechtzeitig erkannt und vorausschauend bewältigt werden. Dies gilt erst recht, wenn man mit einem Schiff aus Schilf ohne Motor auf dem Atlantik unterwegs ist. Moderne Segler haben die Möglichkeit, bei Flaute Dank der Motorentechnik weiter Fahrt zu machen. Nicht so, das nach steinzeitlichen Vorbildern gefertigte Schilfboot ABORA III, das seit 2 Wochen Kurs in Richtung Spanien aufgenommen hat.

Seit einigen Tagen wird über das geringe Vorankommen der ABORA III spekuliert. Fragen über deren Seeuntauglichkeit oder der Unerfahrenheit der Crew werden diskutiert. Doch diese Debatten entbehren jeder navigatorischen Grundlage: Gegenwärtig lenken drehende Winde mit sehr geringen Windgeschwindigkeiten unser Schiff, das durch seine Nähe zum nordamerikanischen Schelf vor allem dem Einfluss der Gezeiten ausgeliefert ist. Sie führen uns mit kräftigen Strömungen mal auf einem nordwestlichen oder auf einen südwestlichen Kurs mit. Gegen diese Strömungen können wir bei 1-3 kn Wind kaum etwas ausrichten.

Der Hauptgrund für unseren Stillstand liegt darin, dass wir im Schnittpunkt von einem Hochdruck- und zwei Tiefdruckgebieten liegen. Zu allem Pech bewegt sich seit drei Tagen das südliche Tiefdruckgebiet noch in Nordrichtung auf uns zu, so dass wir seit heute Morgen (Mittwoch) dem sich gegen den Uhrzeigersinn drehenden Tiefdruckgebiet noch östliche Winde abbekommen, die uns zusätzlich an der Fortsetzung unserer Fahrt nach Osten abhalten. Leider können wir nur nach SW ausweichen, wenn uns die Tide nicht ganz und gar nach Westen versetzt! Das sind zusammengenommen keine guten Wetterbedingungen, oder?

Dennoch segelt die ABORA III sehr gut am Wind. Heute hatten wir das erste Mal 77 Grad am Wind über Grund gemessen. Das ist mehr als Schifffahrtsexperten phönizischen Schiffen aus der Antike zutrauen! Wir segeln aber auf einem Steinzeitfloß, das sich seit Tagen gegen wechselnde Winde und Strömungen auf seiner Position behauptet! Kritiker, die sich negativ über unseren Fortschritt äußern, sollten anerkennen, dass Thor Heyerdahl mit seinen beiden RA-Schiffen, ohne die Fähigkeit leicht gegen den Wind zu segeln, hoffnungslos nach Westen abgetrieben wäre. Wir indes konnten durch Auf- und Absegeln am Wind seit 7 Tagen unsere Stellung sichern, um mit dem nächsten günstigen Wind die Fahrt in Richtung Azoren fortzusetzen.

Doch leider wird das nicht vor dem Wochenende sein. Der heutige Wetterbericht vom Deutschen Wetterdienst Hamburg sagt uns auch für die nächsten zwei Tage immer noch keine Besserung voraus.

Dennoch es gibt Schlimmeres als bei Flaute im Atlantik abzuwettern. Wir nutzen die Pause, um unser Boot noch weiter auf Vordermann zu bringen denn eines ist sicher: Dieser Wind wird auf Dauer nicht bleiben!

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Segeln blindes gif
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