HSH Nordbank blue race 2007
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22.06.2007
Haspa: Endlich mal auf ´nem anderen Bug

Ich weiß nicht wie viele Tage mein Körper ins Lee-Segel gedrückt wurde. Der Rücken tat weh und wenn ich nicht weit genug nach unten in meine Koje gerutscht bin, hing mein Kopf bei meiner Kojen Nachbarin Katrin auf dem Kissen (welches aus einer zusammengefalteten Fleece Hose besteht, die nicht mehr wirklich frisch ist). Gestern hat die Steuerbord-Wache eine Halse gefahren. Sensation, und wir haben den Augenblick verschlafen, aber als wir geweckt wurden, klebte ich an der Holzverkleidung der Bordwand. Tolles Gefühl!
Die Steuerbordwache hatte das Groß und den Reacher oben. Bei 17 Knoten Wind haben wir noch kurz überlegt, ob wir die Segel wechseln. Es fing an zu regnen und wir entschieden uns, erst einmal abzuwarten, was die Wolke so mit sich bringt. Da wir die Wache von 00:00 - 04:00 Uhr Morgens hatten, war es leider so duster, dass wir wirklich nichts erkennen konnten. Unser Abwarten hat sich gelohnt, denn kurze Zeit später frischte der Wind auf 36 Knoten auf.

Unser Skipper, selbst während seines Schönheitsschlafes immer mit einem Ohr beim Schiff, kam uns zur Hilfe, als der Reacher runter und die G4 hoch sollte. Zuvor hatten wir schon ein Reff im Groß. Der Wechsel war eine sehr nasse Angelegenheit für Skipper Gerd, Wachführer Tommy und Michael. Ja, und das Schlimmste beim Segelwechsel war der rege Schiffsverkehr mitten auf dem Atlantik! Tatsächlich sahen wir auf einmal Lichter am Horizont und die waren gar nicht so weit weg. Ich fragte Katrin unentwegt, ob sie ein grünes Lichtlein sieht, denn dann hätten wir ein Problem. Die Drei haben sich wirklich einen abgekämpft und der erste Spruch vom Skipper war, dass er nicht gedacht hätte, dass er in seinem Alter noch aufs Vorschiff muss.

Die Stimmung war super nach dem Segelwechsel. Wir sind bei halben Wind die Wellen runter gesurft. Das hat uns allen (mir am meisten, denn ich stand am Steuer) einen riesen Spaß gemacht. Bald schon sollten wir aber das Steuer aus der Hand geben, denn die Steuerbord Wache war am Zuge. Die Mädels und Jungs sind bei "Flaute" in die Koje gehüpft und wurden in Böen bis 36 Knoten und einer SOG Geschwindigkeit von 13,5 geweckt. Die Steuerbord Wache war noch nicht einmal richtig wach, da wurde schon wild diskutiert, wer steuert, aber unser zweiter Wachführer Jonas hat es gut in der Hand gehabt. Warum diskutieren? Er steuert und aus die Maus! Es war wirklich schön mit einem Rauschen von vorbei strömenden Wasser am Ohr einzuschlafen, aber viel viel schöner war es von einem jugendlichen Gequietsche und Geschrei aufzuwachen, als Julian die 18,5 Knoten Grenze erreicht hat. Schön, dass ein jeder von uns so viel Spaß an dieser Regatta hat.

Jetzt hat der Wind ein wenig abgenommen, dennoch bewegen wir uns mit knapp 10 Knoten SOG auf Point Alpha zu, der noch ca. 166 NM von uns entfernt ist. Zurzeit befinden wir uns 40°54N31´ und 48°38W80´ und die Stimmung ist sehr ausgelassen. Die alltägliche Arbeit fängt gleich wieder an, d.h. aufräumen, feudeln, abwaschen und die Nasszelle putzen. Dann Essen vorbereiten, und die Steuerbord Wache mit dem Duft von Schicken-Sahne-Soße zu wecken. Heute gibt es mal kein Trekkingfutter! Juhu, mir werden meine Hosen auch langsam zu weit!

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Segeln blindes gif
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