23.06.2007
Verschickt: Sa., 23. Jun. 2007, 19:21
7. Bericht von Bord der HASPA HAMBURG
Point Alpha
Um 06.20 Ortszeit (23.06.07) haben wir Point Alpha gerundet, der erste
Abschnitt des Blue Race ist damit vollbracht. Ein Drittel der zu segelnden
Distanz liegt
hinter uns. Zeit für einen kleinen Rückblick.
Wir sind seit einer Woche auf See und die gesamte 10 köpfige Crew hat
mittlerweile Seebeine. Die Bordroutine ist perfekt eingespielt, was auch
notwendig ist, um die noch vor uns liegende Strecke bewältigen zu können.
unser Rhythmus wird bestimmt vom Zwei -
Wachensystem mit tagsüber jeweils im Wechsel 6 stündigen Wachen und nachts
von 20 Uhr bis 08 Uhr jeweils 4 Stunden on bzw. off. Ansonsten heißt die
Devise: segeln, essen, schlafen, segeln, ...
permanent wird der Segeltrimm optimiert, um möglichst hohe
Durchschnittsgeschwindigkeiten zu erreichen. Tag und Nacht finden
Segelwechsel statt, die nach 7 Tagen auf See zur Gewohnheit, wenn auch bei
viel
Wind oft zur Schwerstarbeit werden.
Neben dem Segeln verlangt die
Bordroutine u.a. das Kochen unserer "leckeren" gefriergetrochneten
Trekkingmahlzeiten, Reinschiff
machen und verschiedene Wartungs- und Reparaturarbeiten durchführen. Das
Schiff befindet
sich auch nach der bisher abgesegelten Distanz von 1200 Seemeilen im
technisch guten Zustand, was für die bevorstehenden Herausforderungen
unumgänglich ist. Allerdings wurden unser Bordinspektor und die technisch
versierten Crewmitglieder in den letzten Tagen schon des öfteren gefordert,
verschiedene Reparaturen, sei es an der Toilette, den Pumpen, den Segeln,
die Beseitigung von Leckagen etc. durchzuführen.
Für uns ist es wichtig,
selbst auch nur kleine technische Probleme sofort in den Griff zu bekommen,
um das Schiff permanent in top condition zu halten. Die Erfahrung zeigt, daß
gerade bei einem Ocean-Race aus kleinen schnell große Probleme werden
können.
Die von uns gewählte Route von Newport bis zum Point Alpha verfolgte die
Strategie, den Stömungsvorteil des Golfstroms zu nutzen. Dieser schiebt im
Idealfall mit 2-4 knoten pro Stunde und verhilft einem zu wertvollen
"kostenlosen" zusätzlichen Seemeilen.
Vom Wetterrouting her wurde uns aus diesem Grunde von Newport ausgehend ein
Südkurs empfohlen, um schnell in den Golfstrom zu gelangen. Die gewählte
Route bedeutete jedoch auch, einen längeren Seeweg bis Point Alpha von über
00 Seemeilen in Kauf zu nehmen, was jedoch durch den
Geschwindigkeitsvorteil hätte ausgeglichen werden sollen.
Rückblickend betrachtet wäre der kürzere direkte Weg von Newport zu Point
Alpha der schnellere gewesen.
Im Golfstrom gerieten wir in zwei so genannte Cold Eddies. Diese Stromwirbel
entstehen vereinzelt am Rand des Golfstroms, wo sich das 25 Grad warme
Wasser mit kaltem
Altantikwasser vermischt und dann für sehr starken Gegenstrom sorgt. Dieser
Gegenstrom führte in Verbindung mit starkem Wind um 25 bis 35 Knoten zu
einer sehr konfusen und ruppigen Kreuzsee, welcher wir zwei Tage lang
ausgesetzt waren und was zumindest für Mensch und Material eine erste
Härteprüfung darstellte. Die Strategie, den Strömungsvorteil des Golfstroms
zu nutzen wurde dadurch völlig aufgehoben.
Seit Point Alpha rauschen wir mitlerweile bei mäßig starken Südwest Wind
unter Spi und sehen damit gespannt dem zweiten Abschnitt des Blue Race
entgegen. Nun heißt es, 1900 Seemeilen von Point Alpha bis nach Fair Isle zu
meistern. Die Strömung des Golfstroms spielt keine große Rolle mehr.
Strategie bestimmend sind jetzt die richtige Positionierung zu
Tiefdruckgebieten und das Umgehen von schwachwind Zonen unter Hochdruck
Einfluß.
Gerd Nodop
Skipper
S.Y. HASPA HAMBURG
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