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HSH Nordbank blue race 2007
www.hsh-nordbank-blue-race.com - Übersicht
Verschickt: Mi., 27. Jun. 2007, 15:18
Thema: elfter Bericht von Bord der HASPA HAMBURG
Navigation - oder die Kunst ans Ziel zu kommen von Thomas Hornig
Skipper: "He Navi ich brauch mal COG, SOG, DTW und TTG zum nächsten
egpunkt.
Navigator: " 265°, 8,5 Knoten, 4,25 sm, 30 min."
Was sich wie das Gespräch unter Mitgliedern eines Geheimbundes anhört ist
ur ein Beispiel für die tägliche Kommunikation zwischen Skipper und
avigator auf einer x-beliebigen Regattayacht.
Die oben genannten Dreiergruppen im Einzelnen zu erläutern führt hier zu
eit, es sei nur darauf hingewiesen, dass die von der Person Skipper
eforderten und von dem Navigator gelieferten Werte über Ankommen oder eben
icht entscheiden.
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Fotos: Haspa
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Was aber ist Navigation?
Navigation ist die Kunst, ja es ist eine Kunst, dort anzukommen, wo man es
ich vorgenommen hat. Im Vergleich zu der Landnavigation gibt es auf See
eine Straßennamen, keine Richtungsschilder, die einen Punkt für Punkt über
ie Meere führen. Man muss sich mit dem behelfen, was die Mathematik und die
hysik einem zur Verfügung stellt. Und das, geneigter Leser, ist eine Menge.
Bis noch vor wenigen Jahren, war der Navigator besonders bei
ransozeanreisen die erste Anlaufstelle, wenn es um die Frage nach dem
nkommen am Zielpunkt ging. Atemberaubendes Schweigen umgab Ihn, wenn er
äglich den Sextanten an das Auge setzte und die Sonne schoss. Ein lautes,
einem Adjutanten zugerufenes "NULL", durchbrach alsbald die Stille, kurz
evor er mit ernster Miene zu weiteren Berechnungen in der Navigationsecke
erschwand. Einige Zeit später und nach doppelter Kontrolle seiner
erechnungen erschien dann ein nicht selten sichtlich gelöster Navigator
ieder an Deck und verkündete mit den Worten: " Wir sind auf dem richtigen
urs" die von allen erwartete frohe Botschaft.
Soviel zu der guten alten Zeit.
Im Zeitalter von Computern und Satelliten ist der Navigator zu einem "User"
ieser elektronischen Medien geworden. Wo in vergangener Zeit die Seekarte
uf dem Navigationstisch lag, liegt heute eine PC Funktastatur (welch ein
lück, müsste ich dies Zeilen doch sonst per Hand schreiben), die Seekarte
st zu einem elektronischen Datensatz mutiert und wird über den 19''
idescreen LCD Monitor dem Anwender sichtbar gemacht.
Verstehen Sie, geneigter Leser, mich bitte nicht falsch. Ich bin froh, dass
ch nicht mehr tagein tagaus den Sextanten und Adjutanten bemühen muss, um
einer Crew mitzuteilen, dass wir auf dem richtigen Kurs fahren und damit
as Ankommen, das Anlegebier und die heiße Dusche gesichert sind.
Ich habe hier an meinem Navigationstisch alle wichtigen Daten auf dem
onitor. Bekomme unsere Position auf 20 Meter genau von einer Reihe die Erde
mkreisende Satelliten, das Wetter und die sich daraus ergebenden
ursempfehlungen per E-Mail und die Seekarten wie schon erwähnt aus dem
omputer.
Der Navigator rechnet nicht mehr, er schwingt keine Kursdreiecke und Zirkel,
r liest fertig berechnete Werte ab und gibt Sie weiter. Er ist kurz davor
em Computer zum Opfer zu fallen, wenn dieser auch noch das Sprechen lernt.
m Auto ist der Beifahrer bereits dem Navigationsrechner zum Opfer gefallen.
Doch schade ist dies nicht, gibt es einem doch Zeit sich den schönen Seiten
es Segelns hinzugeben. Dem Genießen der Freiheit, des Meeres und des
benteuers.
Doch halt, warum sollte man eigentlich dann noch einen Navigator mitnehmen!?
Die Antwort ist einfach, nicht mehr Kursberechnungen gilt es zu lösen,
ondern EDV Probleme. Der Navigator der Zukunft ist mehr und mehr ein
ystemadministrator, der sich mit WLAN und Satellitenmodem beschäftigt und
eniger der konventionellen Navigation.
Doch keine Sorge: Ich werde auch in Zukunft meinen Sextanten, Taschenrechner
nd meine Handbücher auf lange Segelreisen mitnehmen. Man weiß ja nie.
In diesem Sinne möchte ich mich von Ihnen verabschieden und für Ihre
ufmerksamkeit danken.
Thomas Hornig
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