02.06.2007
Haspa: Vorschiff!"
So, ich wurde gebeten auch mal einen Bericht zu schreiben und dieser soll
on dem Leben an Bord des Vorschiffsmannes handeln. Da ich diese Position
esetze, passt das eigentlich auch ganz gut.
Der Vorschiffsmann oder auch manchmal liebevoll Vorschiffsaffe genannt,
ält sich wie der Name eigentlich schon sagt, gerne auf dem Vorschiff auf.
ort hat er nämlich sein eigenes Revier und dort ist er der Chef. Er muss
icht wie der Rest der Crew im Cockpit zusammengepfercht sitzen, sondern hat
orne volle Entfaltungsmöglichkeiten. Der Bereich des Vorschiffs fängt am
ast an und hört vorne an der Spitze des Bugs auf. Hier kann er rumbrüllen
nd rumturnen (daher vielleicht auch der Name Vorschiffsaffe) und seinen
ewaltigen Kräften freien Lauf lassen.
Nach dieser Beschreibung wird eigentlich jedermann klar, dass man nicht
infach jeden aufs Vorschiff lassen kann, denn man braucht neben Muskelkraft
uch noch Geschick, Einfallsreichtum, Schnelligkeit und räumliches
orstellungsvermögen.
Für die nötige Muskelkraft braucht der Vorschiffsmann normalerweise immer
ine extra Portion Fleisch, leider ist der Anteil des Fleisches in dem
peiseplan für die Crew nicht in ausreichender Menge enthalten. Daher stehen
ber auch für die kurzen Belastungen genug zuckerhaltige Lebensmittel wie
choko- und Cornyriegel sowie Cola zur Verfügung
Nach umfangreichen Test und Überprüfungen bekamen Michael und Ich die
rlaubnis als Vorschiffsmann arbeiten zu dürfen. Hier ein Dank an
enjenigen, der uns diese Möglichkeit eröffnet hat. Da wir manchmal nicht
lle Aufgaben alleine erledigen können und z.B. zum Segelbergen einfach eine
roße Anzahl Manneskraft brauchen (da unsere Crew zu 40% aus Frauen bestehen
önnte ich wohl auch Frauenkraft sagen. (Aber existiert dieses Wort
igentlich im richtigen Leben?)) unterstützen uns immer noch ein paar
eitere Leute der Crew. Mit von der Partie ist unser Wachführer Jonas, der
ei jedem Segelwechsel ganz vorne mit dabei sein möchte. Es versteht sich
atürlich von selbst, dass das nur unter Michaels und meiner Anweisung
unktionieren kann.
Manchmal ist auch einfach nur brutalste Gewalt und Gewicht gefragt; gerade
enn wir mal den Reacher setzen ist Hermann gerne am Mast zu sehen.
Zu den weiteren Aufgaben zählen natürlich alle Arten von Vorsegeln, Genua
owie symmetrische und asymmetrische Spinnacker in möglichst geringer Zeit
nzuschlagen und zu setzen, so dass der Geschwindigkeitsverlust des Schiffes
elativ gering ist. Da die Haspa Hamburg von der Werft aus nicht für einen
symmetrischen Spinnacker ausgelegt wurde war es gerade zum Anfang der Reise
mmer wieder eine kleine Herausforderung, dass alles reibungslos abläuft.
ber natürlich haben wir auch dieses Problem erfolgreich gelöst.
Als weiteres Merkmal braucht der Vorschiffsmann ein scharfes Auge, so dass
r sofort sieht, wenn irgendwo eine Leine falsch läuft oder noch schlimmer
ine Leine durchscheuert. Gerade wenn im Masttop ein Leinenchaos herrscht
der beim Spinnackermanöver eine Leine reißen sollte gibt es eine "riesen
austelle", was nicht gerade unserem schnellen Zieleinlauf förderlich wäre.
Wenn wider Erwarten doch ein Problem in dieser Richtung auftauchen sollte,
ann lösen wir es natürlich mit Geschick.
Als etwa vor eine Woche relativ wenig achterliche Winde (10kn) und eine
ünung von 2-3m vorherrschten sind wir natürlich Spinnacker gefahren. In
iner unglücklichen "Abbremsbewegung" hat sich dieser ums Vorstag gewickelt.
ozusagen der worst case beim Spi segeln. Leider hat er sich durch jegliche
ugversuche und eine Halse nicht lösen lassen. Also haben Michael und ich
litzschnell gehandelt und schickten Michael hoch in Mast um dieses Problem
n der Quelle allen Übels, also am Vorstag, zu lösen. Schnell hat er sich
nseren, noch kürzlich in Newport erworbenen, Klettergurt umgeschnallt und
st wie ein Affe in den Mast geklettert. Durch verschiedene Dreh- und
endeversuche bekam er das leichte Tuch vorerst nur auf halbe Vorstagshöhe.
er Erfolg war aber abzusehen. Nachdem Michael dann sein Bestes getan hatte,
olten wir ihn auch wieder herunter und nun kam unsere Hilfs-Vorschiffscrew
um Einsatz. Jonas und Hermann haben anschließend angefangen durch
erschiedene Konstruktionen das Spinnackerknäuel zu ent-turnen. Mit der
uten Zusammenarbeit der Cockpitcrew haben wir dann schließlich das
orsegel ohne irgendwelche Blessuren geborgen.
Über das Thema Kommunikation zwischen Vorschiff und Cockpitcrew könnte man
uch ganze Romane bzw. Studien schrieben, dafür ist hier aber leider nicht
enug Platz, also begrenze ich das ganze auf ein paar Sätze.
Wenn es mal passieren sollte, dass irgendwelche Manöver mal in die Hose
ehen sollten oder irgendwas zulange dauert, dann gibt es anschließend im
ockpit immer heiße Diskussion. Wer ist schuld? Wer war zu langsam? Warum
ing das nicht schneller? Aus der Sicht des Vorschiffsmannes ist natürlich
mmer die Cockpitcrew zu langsam. Die gucken nie nach vorne, sehen nicht
elches Fall oder welche Schot man anschlagen will und sind meistens auch
och schwerhörig. Diese und weiter Probleme kosten dem Vorschiffsmann viel
nnötige Kraft und auch Nerven.
Mittlerweile sind wir aber alle über uns hinausgewachsen und haben solche
robleme nicht mehr. Selbst im Dunkeln funktionieren alle Manöver
inwandfrei und wir stoppen inzwischen schon immer die Zeit, in welcher wir
inen Segelwechsel bewältigen. Und wir werden immer besser..
In diesem Sinne.wir sehen uns auf dem Vorschiff..
Viele Grüße von dem rauen Atlantik.
Julian Drichelt
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