Sydney-Hobart Race 2008
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23. Dezember 2008
Rolex Sydney Hobart: Gefriergetrocknetes statt Gänsebraten
Neue "Walross IV" aus Berlin einzige deutsche Teilnehmerin

Weihnachten im Frühsommer ist für Mitteleuropäer an sich schon gewöhnungsbedürftig. Wenn dann statt Gänsebraten auch noch Gefriergetrocknetes aus der Tüte auf dem Speiseplan steht, muss die Herausforderung außergewöhnlich reizvoll sein - und der Wille stark. Denn das 64. Rolex Sydney Hobart Yacht Race verspricht alles andere als eine gemütliche Kaffeefahrt. 101 Mannschaften, darunter nur eine deutsche, wollen am Zweiten Weihnachtstag (26. Dezember) in der australischen Olympiastadt von 2000 an den Start gehen. 628 Seemeilen, mehr als 1.150 Kilometer, bis zur Inselhauptstadt Tasmaniens liegen vor ihnen. Und die Wetterbedingungen könnten harsch werden.

Glich die Windvorhersage für die Regatta in der Vorwoche noch den vagen Wahrscheinlichkeiten einer weißen Weihnacht in Deutschland, so rückt der Chefmeteorologe Barry Hanstrum vom Wetteramt New South Wales seit Dienstag (23. Dezember) in den Mittelpunkt des Interesses. "Es dürfte ein schnelles, vielleicht sogar sehr schnelles Rennen werden", prophezeit der Experte, denn es sind zunächst mäßige bis frische nordöstliche Winde zu erwarten, die übers Wochenende zunehmen sollen und Sturmstärke erreichen dürften. Dabei könnte der Wind auf westliche Richtungen drehen und für die kleineren, langsamen Boote auf der berüchtigten Bass Strait, der bezeichnender Weise "Ausrittplatz" genannten Wasserstraße zwischen dem australischen Festland und Tasmanien, für hohe, steile Wellen sorgen.

Zwangsläufig werden am zehnten Jahrestag Erinnerungen wach an das folgenschwere Rennen von 1998, als ein Orkan das Feld heimsuchte. Während verschiedener Schweigeminuten rund um die Regatta wird die nächsten Tage den sechs Seglern gedacht, die damals ihr Leben auf hoher See ließen. Fünf Yachten sanken, 66 Crews gaben auf. Nur 44 von 115 Schiffen erreichten das Ziel. In einer beispiellosen Rettungsaktion, an der allein 25 Hubschrauber und Flugzeuge sowie rund eintausend Menschen beteiligt waren, wurden 55 Seeleute aus den Klauen des tosen Meers befreit.

Aus der Katastrophe zog der veranstaltende Cruising Yacht Club of Australia weitreichende Konsequenzen und schuf die schärfsten Sicherheitsvorschriften für Hochseeregatten überhaupt. Sie reichen von Seenotsignalen für jedes einzelne Crewmitglied, über wasserdichte Bordbatterien, um die Funkverbindung zum Land jederzeit aufrecht zu erhalten, bis zu voll ausgerüsteten Rettungsinseln. Beim Einfahren in die Bass-Straße sowie bei Sturm besteht eine Meldepflicht bei der Regattaleitung. Die halbe Mannschaft muss ein spezielles Sicherheitstraining absolviert haben; Jugendliche unter 18 Jahren dürfen nicht mehr teilnehmen.

Die zwölfköpfige Crew der "Walross IV", überwiegend Studenten, weiß genau, was auf sie zukommen kann, und betrachtet das Rolex Sydney Hobart Yacht Race als "eine ganz besondere Etappe" unter 26, die das Schiff in zwei Jahren über 43.000 Seemeilen rund um die Welt führen sollen. Mehr als die Hälfte davon hat es schon hinter sich und ist von daher durch einen Härtetest erster Güte gegangen. "Das Rennen ist für uns keine wirkliche Langstrecke", sagt Skipper Christian Masilge, "wir hoffen auf einen spannenden Wettkampf und eine sichere Ankunft in Hobart." Siegchancen rechnet sich der Schiffbauingenieur mit der als hochseetaugliche Fahrtenyacht konzipierten "Walross IV" nicht aus, obwohl eigens für das Rennen drei Tonnen unnötiger Ballast von Bord geschafft wurden, um schneller unterwegs zu sein.

Das Boot des Akademischen Segler-Vereins aus Berlin ist Nachfolger der legendären "Walross III", die 1981/82 als einzige Deutsche am Whitbread Round the World Race teilgenommen hatte. Der 16,95 Meter lange und 4,40 Meter breite Rumpf wurde von Georg Nissen aus Laboe gezeichnet und vor zwei Jahren in Berlin und Glückstadt aus Holz gebaut. Damit ist er deutlich schwerer als bei Kunststoff- oder Kohlefaser-Hightechyachten vergleichbarer Größe, aber auch durabler. Der vorhergesagte Starkwind dürfte dem Team liegen.

Auf die Nordostbrise, die schräg von hinten einen schnellen Kurs bedeutet, freut sich auch die Crew der Topfavoritin auf den Sieg nach gesegelter Zeit, die australische "Wild Oats XI". Die 30-Meter-Maxiyacht will 2008 Geschichte schreiben, indem sie als Erste in der 64-jährigen Geschichte zum vierten Mal in Folge "First Ship Home", also Erster im Ziel ist. "Wir haben das Boot auf Höchstgeschwindigkeit modifiziert und nehmen dafür Nachteile beim Rennwert in Kauf", erklärt Skipper Mark Richards das klare Ziel. Ein Gesamtsieg nach berechneter Zeit nach Handikapfaktor auch gegen Teams auf kleineren, aber nicht minder ambitionierten Rennziegen wurde in den Hintergrund gerückt.

Behält Wetterfrosch Barry Hanstrum Recht, könnte sogar der Streckenrekord von 2005 gebrochen werden. Der steht seitdem bei 42 Stunden, 40 Minuten und zehn Sekunden, gehalten von der "Wild Oats XI", von wem sonst. Einen neuen, einsamen Rekord wird es in jedem Fall geben. Während es der einheimische Regattaveteran Lou Abraham bei 44 Teilnahmen belässt und am Zweiten Weihnachtstag um 13 Uhr Ortszeit (2 Uhr nachts deutscher Zeit) den Schuss aus der Startkanone abfeuern wird, sticht sein Landsmann Tony Cable, diesmal auf der "Getaway-Sailing.com", zum 45. Mal in See.

Weitere Informationen zum Rolex Sydney Hobart Yacht Race, darunter auch Audiointerviews, unter www.rolexsydneyhobart.com und www.regattanews.com.

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  • 23.12.2008 - Gefriergetrocknetes statt Gänsebraten

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