Maxi Yacht Rolex Cup 2014

PORTO CERVO, ITALY - August 31 - September 6, 2014
Übersicht 2014

July 24, 2014
MAXI YACHT ROLEX CUP: TREFFEN DER KÖNIGSKLASSE

Sie werden in Fachkreisen kurz „Maxis“ genannt. Am Steuer stehen ihre Eigner, die außerhalb der Welt des Sports vom Erfolg verwöhnt sind. Ihre Crews sind durch und durch Profis mit herausragendem Können. Ihr Design trägt die Handschrift visionärer Bootsbauer. Die Rede ist von den imposantesten Einrumpfyachten der Welt, die für ihre Geschwindigkeit, Leistung und Eleganz bewundert werden.

Der alljährliche Maxi Yacht Rolex Cup in Porto Cervo auf Sardinien, an dem nur Yachten mit über 18,29 Meter Länge (60 Fuß) teilnehmen dürfen, ist eine eindrucksvolle Schauveranstaltung und zugleich ein gnadenloser Härtetest für diese Boote, deren Eigner und Designer.
Das hohe Wettkampfniveau und die überaus schwierigen Regattakurse machen diesen Event zur ultimativen Herausforderung für jede Maxi.
Der Maxi Yacht Rolex Cup 2014 findet vom 31. August bis 6. September statt. Was die Baselworld für die Uhrenindustrie, das ist der Rolex Cup für all jene, die neue Entwicklungen im Segelsport fasziniert verfolgen oder maßgeblich an ihnen beteiligt sind.

Foto: Carlo Borlenghi

Von Aluminium zu Kohlefaser
Der Maxi Yacht Rolex Cup wurde 1980 mit dem Anliegen aus der Taufe gehoben, großen, leistungsstarken Yachten die Möglichkeit zu bieten, sich im direkten Wettkampf in anspruchsvoller Umgebung miteinander zu messen. Seit 1985 gilt die vom Yacht Club Costa Smeralda organisierte Veranstaltung als das Kronjuwel im internationalen Rolex Segelsportportfolio.

Die mittlerweile fast 30 Jahre währende Partnerschaft zwischen Event, Yachtclub und Titelsponsor gehört zu den ältesten und wichtigsten Verbindungen im Segelsport. Ihre Beständigkeit beruht auf gemeinsamen Wertvorstellungen und dem Streben aller Beteiligten nach Perfektion und ständiger Innovation.

In den 1980er-Jahren wurden die Rümpfe aus Fiberglas, Aluminium und in manchen Fällen sogar aus Holz gefertigt. Masten und Takelage waren aus metall, Schoten aus Draht. Das machte die Schiffe behäbig und nicht besonders schnell. Durch das hohe Gewicht waren die Manöver schwerfällig und zudem nicht ungefährlich. Zwischen den Booten von damals und heute liegen Welten. Die schnittigen Yachten unserer Tage basieren auf Erkenntnissen aus der Raumfahrttechnologie. Die Verwendung von Kohlefaserwerkstoffen verleiht ihnen Schnelligkeit und Wendigkeit. Bei richtiger Handhabung gleiten manche dahin wie Jollen.
„Anfangs waren Maxis Boote mit Festkiel, hoher Verdrängung und geringem Tiefgang“, erklärt Jim Pugh vom Konstruktionsbüro Reichel/Pugh in San Diego, dessen zukunftsweisenden Ideen wir einige der besten Maxi-Yachten der Welt – von der Wild Oats XI bis hin zur Esimit Europa 2 – verdanken. Die Maxis, die heute in Porto Cervo an den Start gehen, unterscheiden sich grundlegend von ihren Vorgängern. Inzwischen haben neue Vorschriften, Materialien und Erkenntnisse die Palette der Möglichkeiten beachtlich erweitert. „Einige der Maxi-Yachten wiegen jetzt 26 Tonnen statt 75 Tonnen wie vor 30 Jahren. Das ist ein gewaltiger Unterschied. Die Takelung ist ungefähr doppelt so groß. Ihre deutlich längere Wasserlinie macht sie noch leistungsstärker, sodass sie mittlerweile dreimal so schnell sind wie vor drei Jahrzehnten.“

Rolf Vrolijk vom deutschen Konstruktionsbüro Judel/Vrolijk, auf dessen Konto die Entwicklung so siegreicher Mini Maxis geht wie der Rán 2 von Niklas Zennström (ebenso wie von Zennströms neuester Rán, die in diesem Jahr vom Stapel lief und in Kürze ihr Debüt in Porto Cervo geben wird) und der Bella Mente von Hap Fauth, nennt einige der Gründe, warum und wie sich die Yachten weiterentwickelt haben: „Zahlreiche Veränderungen gehen auf Vermessungsregeln zurück, nach denen Boote zu bauen zu sind.“ Weitere Änderungen sind die Folge von Verbesserungen auf anderen Gebieten, beispielsweise wurden „das Tuch und die Form der Segel überarbeitet und zeitgleich wurde die Konstruktion der Masten optimiert.“

Die kontinuierliche Auslotung der Möglichkeiten neuer Bootsbaumaterialien hat zur Entstehung verschiedener Schiffsgrößen und -typen geführt. Die Palette ist weitaus vielfältiger geworden und reicht von Mini Maxis mit einer Länge von 18,29–21,95 Metern (60–72 Fuß) für Regatten bis hin zu majestätischen Supermaxis mit mehr als 50 Metern (165 Fuß); von Booten, die als Regatta- und Freizeitschiffe gebaut werden, bis hin zu jenen, die einzig und allein als High-Speed-Boote gedacht sind. Sie alle spiegeln das unaufhörliche Streben nach immer neuen Dimensionen in Bezug auf Leistung und Eleganz wider. Die Unterschiede zwischen einer Mini Maxi für Regatten (Bella Mente) und einer Supermaxi (Vorjahresklassensieger Nilaya, der in erster Linie als Freizeitsegler dient), werden in der begleitenden Infografik aufgezeigt.

Gemeinsam ans Ziel
Beim Blick auf die Vielfalt von Ideen und Lösungen überrascht es kaum, dass der Maxi Yacht Rolex Cup Ausgangspunkt und Inspiration für zahlreiche Vorhaben ist. „Bei einem solchen Event sind viele unterschiedliche Bootsstile zu sehen“, so Pugh. „Das gibt der Kreativität definitiv einen Kick.“

Laut Pugh setzt sich der Konstruktionsprozess aus einer Reihe wichtiger Etappen zusammen. Am Anfang steht ein Briefing durch den Eigner. „Man redet darüber, was der Eigner will, was das Boot kann und wo es segeln soll, worin seine Stärken liegen müssen, damit all diese Vorstellungen umgesetzt werden.“

Einige Aufträge sind ziemlich speziell, wie Mark Mills am Beispiel der kürzlich vom Stapel gelaufenen Mini Maxi Alegre mit 21,95 Metern (72 Fuß) Länge erklärt: „Der Maxi Yacht Rolex Cup ist mehr als die perfekte Testgelegenheit. Er ist der Anlass für die Entstehung des Bootes. Die Konstruktion und das ganze Drumherum dienen einzig und allein dem Ziel, hier dabei zu sein und sein Bestes zu geben. Der Cup bildet den Dreh- und Angelpunkt, um den herum die Alegre gebaut wurde.“

Sobald der Auftrag erteilt ist, beginnt ein aufwendiger Forschungs- und Entwicklungsprozess. „Forschung und Entwicklung spielen bei der Konstruktion von Booten dieser Art eine zentrale Rolle“, so Mills. „Als Erstes erstellt man ein Wettermodell, verständigt sich auf die passenden Bedingungen und lässt 80 oder 90 Rumpfformen durch das Modell laufen. Die Rumpfform und die Parameter des Boots sind das Ergebnis von Forschung und Entwicklung. So gesehen ist der Forschungsprozess die Grundlage für das Aussehen.“
„Manchmal machen wir Modellversuche, manchmal arbeiten wir am Computer“, sagt Pugh. „Dann konstruieren wir eine Reihe weiterer Entwürfe, die sich leicht vom Grundkonzept unterscheiden. Wir verändern einige Parameter wie Breite und Verdrängung und wir verwenden andere Rumpfformen für die Computersimulation. Es ist ein ziemlich langer Prozess, der zwischen vier und sieben Monate dauert.“

Wenn der Konzeptentwurf steht und die Tests abgeschlossen sind, beginnt die komplizierte Bauphase, bei der Experten für Verbundkonstruktionen mit Segelmachern, Mastbauern und Spezialisten für nahezu jeden denkbaren Bereich des Segelbootbaus zusammenarbeiten.

Wenn das Boot fertig ist, startet die Crew eine weitere Testphase mit ausgedehnten Probefahrten auf See und der anschließenden Teilnahme an Regatten. Es kann eine ganze Weile dauern, bis ein Boot seine volle Leistung erreicht. „Jeder hofft, dass die Zielvorgaben bereits beim Stapellauf erfüllt werden“, erklärt Mills, „aber aufgrund der Größe dieser Boote und wegen des komplexen Zusammenspiels vieler Faktoren, zu denen auch die ca. 22-köpfige Crew gehört, dauert es für gewöhnlich ein Jahr, bis ein Boot richtig funktioniert.“ An diesem Punkt ist die Alegre derzeit angelangt. Nachdem sie im vergangenen Jahr den zweiten Platz erreichte, soll sie in Kürze ihren ersten Sieg bei der Mini Maxi Rolex World Championship einfahren.

Durch die Zuhilfenahme technischer Geräte ist die Mannschaft in die Lage, eine beachtliche Fülle von Daten zu erfassen. Diese reichen von Kameras, die die Form der Segel aufzeichnen, bis hin zu Sensoren zur Messung der Spannung von Achterstag und Vorstag. Selbstverständlich bedürfen die Daten der fachkundigen Auswertung durch den Menschen. In dieser Hinsicht sind die Teilnehmer beim Maxi Yacht Rolex Cup die Crème de la Crème ihrer Zunft. Sie verfügen nahezu ausnahmslos über Kenntnisse, die weit über das bloße Segelwissen hinausgehen.

Größer und leichter
Die Entwicklung beschränkt sich nicht auf reine Regattaboote. Die Wally Cento ist ein Beispiel für das neue duale Konzept für Yachten, die als Renn- und Freizeitboote gleichzeitig dienen. Den Auftakt bildete hier 2012 die Hamilton. Anfang 2013 folgte die Magic Carpet 3, ein Entwurf von Reichel/Pugh im Auftrag eines anderen Eigners, der sich die Entwicklung stabilerer und leichterer Materialien zunutze machte. „Das Projekt ist überaus spannend“, so Pugh. „Es geht nicht um eine absolute Rennbootkonstruktion. Sie muss den Klassenregeln von Mindestkomfort unter Deck entsprechen. Das stellt uns vor eine noch größere Herausforderung, als einfach nur einen schnellen Kasten zu bauen.“

Sir Lindsay Owen Jones, Besitzer der Magic Carpet 3, machte sich während der gesamten Konstruktionsphase Sorgen, ob seine neue Yacht auch wirklich schnell sein würde. Erleichtert konstatierte er im Nachhinein: „Sie ist deutlich schneller, spannender und macht echt mehr Spaß. Paradoxerweise ist sie durch den extrabreiten Rumpf eine ausgezeichnete Fahrtenyacht, denn sie bietet mehr Raum und Bewegungsfreiheit und hat eine sehr stabile Lage. Es ist ziemlich aufregend, wenn man spürt, wie sie beschleunigt. Man fühlt sich wie auf einem Rennboot und genau das wollten wir.“

Evolution statt Revolution
Was können wir in den nächsten Jahren in puncto Maxi-Yacht-Design erwarten? „Es gibt Faktoren, die unseren hochfliegenden Träumen Grenzen setzen, sodass wir beim Design nicht vor revolutionären Umwälzungen stehen“, prognostiziert Pugh. „Allerdings dürfte durch die kontinuierliche Weiterentwicklung der Rumpfkonstruktionen, der Besegelung und der Takelage mit noch höherer Leistung zu rechnen sein.“
„An Möglichkeiten wird es nie fehlen“, ergänzt Vrolijk. „Auch der Wille, Geschwindigkeitsrekorde zu brechen, wird nie erlöschen. Jede neue Bootsgeneration muss schneller sein als ihre Vorgänger.“

Nicht nur in der Welt der Maxis, der sich Rolex bereits seit nahezu 30 Jahren eng verbunden fühlt, sondern auch in ihrem ureigenen Metier hat die Schweizer Uhrenmanufaktur von Anfang an Innovationen vorangetrieben und sich dynamisch an den jeweiligen Zeitgeist angepasst. So ebnete sie bereits 1905 den Weg für den Siegeszug der Armbanduhr. Zahlreiche wesentliche Neuerungen in der Uhrenherstellung gehen auf das Konto des Unternehmens. Dazu zählen die Oyster als erste wasserdichte Armbanduhr im Jahre 1926 und der Selbstaufzugsmechanismus Perpetual-Rotor von 1931. Im Laufe seiner Firmengeschichte meldete Rolex mehr als 400 Erfindungen zum Patent an. Da liegen die Parallelen zur ständigen Weiterentwicklung der Maxi-Yachten auf der Hand: Es geht darum, etwas Dauerhaftes zu schaffen, was durch außergewöhnliche Ästhetik, Präzision und Innovation besticht. Außerdem soll es robust und funktional sein und für seine Meisterhaftigkeit bewundert und anerkannt werden.

Die alljährlichen Neuerungen beim Maxi Yacht Rolex Cup sind in vielerlei Hinsicht bedeutsam: Sie setzen die Maßstäbe bei Design und Konstruktion immer höher. Sie dehnen die Nachfrage nach und den Einsatz von Hightechmaterialien auf alle Aspekte des Segelsports aus. Die Eigner von Maxi-Yachten investieren hohe Summen in die weitere Beschleunigung ihrer Boote. Der Wunsch nach mehr Komfort an Bord treibt die Entwicklung zügig voran. Zu den Innovationen, die für mehr Geschwindigkeit sorgen sollen, dürften in nächster Zukunft veränderte Unterwasserprofile und Folien gehören.

So sicher, wie Maxis in immer neue Dimensionen vordringen, so gewiss wird der Maxi Yacht Rolex Cup die ultimative Bewährungsprobe für die größten und schnellsten Yachten der Welt bleiben. Daran wird sich auch 2014 nichts ändern.


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