18.07.2006
Travemünde im Fokus der Segelwelt
International hochkarätig, anspruchsvoll und rekordverdächtig – so geht die
Travemünder Woche in ihre 117. Runde. Und mit ihr 2600 Segler aus erstmals
37 Nationen. Aus dem anspruchsvollen Regattaprogramm mit 16 Meisterschaften
in 33 Klassen ragen die Titelkämpfe in drei olympischen Klassen heraus: die
Europameisterschaft der Tornados und die Junioren-WM der 470er sowie die 13.
Norddistriktmeisterschaft der Starboote.
Die zweitgrößte Regattawoche der
Welt, zu der wieder rund eine Million Besucher erwartet werden, wird am
Freitag (21. Juli) um 18 Uhr von Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter
Harry Carstensen und Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe mit dem traditionellen
„Heißt Flagge!“ erstmals auf dem alten Hanseschiff „Lisa von Lübeck“, einer
rekonstruierte Kraweel, eröffnet.
„Mit dieser Woche segeln wir in eine neue Dimension“, sind sich Claus-Dieter
Stolze und Karin Böge, das Führungstandem der Travemünder Woche (TW), einig.
Denn noch nie war der Auftritt der olympischen Klassen in der TW-Geschichte
so hochklassig, die Zahl der Teilnehmerländer so hoch und die Premieren –
von der neuen Mittelstrecke nach Kühlungsborn bis zu den Finalrennen in drei
Klassen – so anspruchsvoll. In den internationalen Klassen küren zudem die
Musto-Skiffs beim Gold-Cup ihren Weltmeister und die 18-Footer beim Columbia
German Grand Prix ihren dritten Sieger der Europaserie. „Bisher haben wir
insgesamt 820 Bootsmeldungen vorliegen. Wir rechnen mit gut 860. Damit sind
wir sehr zufrieden“, erklären Böge und Stolze.
Die Travemünder Woche zeigt sich dabei an Land mit 140 Ständen und mehr als
150 Künstlern in einem neuen Gewand. Mit Festival-Plaza, Beachclubs,
Segler-Village, Laserspektakel sowie Stars wie Sydney Youngblood wurde die
Regattawoche neu und aufwändig inszeniert. „Wir haben uns in der Welt des
Segelsports als schönste Regattawoche etabliert. Und das wollen wir auch
bleiben“, sagt Johann W. Wagner, Geschäftsführer der für das Landprogramm
zuständigen Lübeck und Travemünde Tourist-Service GmbH (HLTS).
Nach zwei Weltmeisterschaften (1972 und 85) küren die weltbesten
Tornado-Segler zum fünften Mal ihren Europameister in der Lübecker Bucht.
„Und es ist alles am Start, was Rang und Namen hat. Das Feld hat die
Qualität einer WM“, sagt der dreifache Weltmeister Roland Gäbler (NRV
Hamburg). Bei den offenen Titelkämpfen sind bisher 71 Boote aus 21 Ländern
gemeldet.
Ein Stelldichein der Stars: Ob Katamaran-Legende Mitch Booth mit seinem
niederländischen Vorschoter Herbert Dercksen, die mehrfachen Weltmeister aus
Australien, Darren Bundock und Glenn Ashby, die Olympiasieger von 2000 und
2004 aus Österreich, Roman Hagara/Hans-Peter Steinacher, die Olympia-Zweiten
von Athen, die US-Amerikaner John Lovell/Charly Ogletree, oder die Welt- und
Europameister des Vorjahres, die Weltsegler 2005 aus Spanien, Fernando
Echavarri Erasun und Anton Paz Blanco – alle starten sie ab Sonntag (23.
Juli) in die zehn Wettfahrten.
„Das wird eine spannende Euro“, glaubt Gäbler, „mindestens 15 Boote werden
um den Titel mitsegeln. Schade ist nur, dass die Premiere des
Medaillen-Rennens nach Protesten einiger Verbände gestrichen wurde. Bei
dieser letzten und entscheidenden Wettfahrt haben wir bisher stets gut
ausgesehen.“ Die deutschen Hoffnungen ruhen neben Gäbler und seinem
Vorschoter Gunnar Struckmann (Kiel) auf dem Nachwuchsduo Tino und Niko
Mittelmeier, die mit dem Sieg bei der Warnemünder Woche aufhorchen ließen,
sowie den WM-Vierten des Vorjahres Johannes Polgar/Florian Spalteholz
(Kiel).
Die Tornados sind nicht die einzige olympische Klasse, die Titelträger
küren. Die 470er segeln ihren Junioren-Weltmeister aus, erstmals in
Travemünde und erstmals eingebettet in eine Großveranstaltung. 256
Nachwuchssegler, nicht älter als 21 Jahre, aus 29 Nationen sind gemeldet. Es
wird mit Abstand das größte Teilnehmerfeld der diesjährigen TW. „128 Boote
aus vier Kontinenten. So viel hatten wir noch nie. Das ist ebenso ein neuer
Rekord wie die 34 gemeldeten Frauencrews“, freut sich Yalcin Gurkan aus
Istanbul/Türkei, Generalsekretär der internationalen
470er-Klassenvereinigung, über den Zuspruch. Das spreche auch für
Travemünde, die Beliebtheit bei den Aktiven und bestätige die Entscheidung,
dort hinzugehen.
Gespannt schaut die Surfszene auf den Auftritt des neuen Olympiabretts Neil
Pryde RS:X. Zwei Monate vor der WM am Gardasee küren die Brettartisten in
Travemünde ihren Sieger bei der deutschen Bestenermittlung. 21 Aktive aus
vier Ländern sind am Start, darunter Olympia-Starter Toni Wilhelm (Kiel) und
die Berlinerin Romy Kinzl, die nach Platz zwei bei der Kieler Woche
zuversichtlich ist. „Ich habe zum ersten Mal eine Medaille von der Kieler
Woche mit nach Hause genommen. Das gibt Rückenwind für die weitere Saison.“
Travemünder Woche-Chef Stolze bedauert indes, dass die Surf-Wettfahrten den
Status der Deutschen Meisterschaften verloren haben. „Dafür hätten wir 25
Starter melden müssen. Wir haben noch einmal beim Verband interveniert, da
es im Mai in Deutschland erst 35 Bretter gab.“ Doch es gab keine
Ausnahmereglung.
Neben den Lasern (Internationale Deutsche Junioren-Meisterschaft) segelt mit
dem Starboot eine weitere olympische Klasse in Travemünde um internationale
Meriten. Zwei Wochen vor den Europameisterschaften im ostholsteinischen
Neustadt wird in zehn Wettfahrten der 13. Norddistriktmeister gesucht. 30
Boote aus sieben Nationen haben bisher gemeldet, darunter Ex-Weltmeister
Alexander Hagen (Lübeck) mit seinem neuen Vorschoter Sebastian Munck (Kiel),
die Shooting-Stars Robert Stanjek/Frithjof Kleen (Rostock) sowie der
polnische Finn-Olympiasieger Mateusz Kusnierewicz, der ins Zweimann-Kielboot
umgestiegen ist.
„Auch die Seebahn ist mit 56 Schiffen schon am ersten Wochenende
außerordentlich gut besetzt, mit klangvollen Namen wie der Hispaniola-Crew“,
freut sich Mrs. Chairman, Karin Böge. „Beach-Feeling total“ gibt es am
Strand direkt neben der Nordermole. Gut 250 Gleitjollen und Katamarane aus
acht Bootsklassen werden während der zehn TW-Tage im Sand direkt vor vier
bis fünf Beachclubs ankern.
Auch die Musto-Skiffs. Für sie steht eine Premiere an: Zum ersten Mal küren
die innovativen Einhand-Segler (29 Boote aus fünf Nationen) beim Goldcup
ihren inoffiziellen Weltmeister in der Lübecker Bucht. Die 18-Footer segeln
derweil ihren Deutschland-Sieger der europäischen Grand-Prix-Serie aus. „Die
Klassen fühlen sich bei uns gut aufgehoben, auch durch die vielen kleinen
Veranstaltungen – vom Grillabend bis zur Passat-Party“, sagt Stolze, der so
auf mehr als 100 Events im Rahmenprogramm kommt.
Spektakulär, spannend und zuschauerfreundlich.
Segeln zum Greifen nah
versprechen die Finalrennen der Contender sowie der olympischen Laser und
470er direkt vor dem Strand, die alle live kommentiert werden. Auch die
Premiere der zweitägigen Mittelstrecke von Travemünde nach Kühlungsborn und
zurück wird gut angenommen. „Der Zuspruch ist erstaunlich. Offenbar decken
wir hier eine Lücke ab“, so Böge und Stolze unisono.
Er freut sich zudem auf ein Spektakel der besonderen Art – die dritte
Auflage des Rotspon-Cups, dem „politischen Rennen“ in der Travemündung.
Dabei werden sich am Dienstag (25. Juli) ab 11 Uhr die Landräte Klaus Plöger
(Stormarn), Georg Gorrissen (Bad Segeberg) und Erhard Bräunig
(Westmecklenburg) mit Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe an der Pinne messen.
Gesegelt wird auf Booten der klassischen Dreimannkielbootsklasse Drachen.
Weitere Informationen und Fotos:
Andreas Kling, Pressesprecher
30.07.2006 - Meisterhafte Travemünder Woche beendet
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Strandende mit Publikums-Zentrum

Passat und Yachthafen

Promenade mit 470er Zentrum

Tornado EM

Japan in der Spitzengruppe

Auf Halbwindkurs

Die besten Deutschen Platz 5 u.10

J.Polgar geht nach Trapezriss baden

Empfänge der Meisterschaften auf der Passat

Die "Meile" von Travemünde

Ende eine Regattatages
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