128. Kieler Woche 2010

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Kieler Woche 2009
Pressemitteilung, 21. Juni 2010
Kieler Woche setzt auf den längsten Tag:
Deutsche Laserflotte auf den Spuren des Weltmeisters
- 470er-Crew Zellmer/Seelig nimmt den dritten Anlauf

Zum dritten Tag der Kieler Woche zeigte sich der Wind sehr unwillig. Zwar liefen die Yachten der Vermessungsklassen (ORC) zu ihrem Revier auf die Seebahn aus, um für einen Start schnell gewappnet zu sein, falls der Wind einsetzen sollte. Schließlich geht es für die Seesegler vor Kiel um die deutschen Meistertitel. Und auch die Jacht-Einheitsklassen machten sich auf den Weg auf das Wasser. Die Athleten der olympischen Disziplinen ließ der oberste Wettfahrtleiter Jobst Richter allerdings zunächst im Hafen. Denn auf der Kieler Außenförde arbeiteten zwei Windsysteme gegeneinander, so dass keine stabilen Verhältnisse herrschten.
"Die beste Meldung ist, dass wir heute den längsten Tag des Jahres haben, das gibt uns die Option, lange zu segeln. Wir werden versuchen, auf den inneren Bahnen, wo sich das thermische System am ehesten durchsetzt, verschiedene Klassen nacheinander zu starten. Gut möglich, dass wir also weit in den Abend hinein segeln werden", erklärte Richter.

Für die Segler an Land ergab sich während der langen Wartezeit die Gelegenheit, die eigene Zukunft zu reflektieren. Denn zwei Jahre vor den Olympischen Spielen in Weymouth muss der eigene Fahrplan inzwischen abgesteckt sein. Nachholbedarf in Sachen Erfolgsmeldungen gibt es vor allem bei den deutschen 470ern. Dort durften Lucas Zellmer/Heiko Seelig (Berlin) im vergangenen Jahr zwar den EM-Vizetitel feiern, seitdem fehlen aber die Top-Ergebnisse. "Wir müssen trainieren, trainieren, trainieren", sagt Vorschoter Seelig. "Wir haben einfach Nachholbedarf im Bereich der Feldtaktik. Und den kann man eben nur mit segeln aufholen", ergänzt Steuermann Zellmer, der bereits 2004 bei den Olympischen Spielen gesegelt ist, 2008 aber die DOSB-Norm nicht schaffte. Rund 150 Wassertage hat das Team derzeit, 200 bis 250 wären jedoch wünschenswert. "Und das natürlich gemeinsam mit internationalen Top-Teams, aber dazu fehlen derzeit die Mittel", sagt Zellmer. Der DSV sei eben nicht so aufgestellt, dass der Segelsport in Deutschland professionell zu betreiben sei. Mit dem neu gegründeten Sailing-Team-Germany (STG), das gerade Audi als Partner gewonnen hat, sei zwar der Grundstein für die Zukunft gelegt, wie sich das aber auf die Planung für Zellmer/Seelig auswirkt, ist noch unklar.
"Der Vertrag wurde erst kurz vor der Kieler Woche unterzeichnet. Danach wird festlegt werden können, wie die Mittel verteilt werden", sagt DSV-Sportdirektorin Nadine Stegenwalner. Für Heiko Seelig ist aber schon die Einrichtung des STG ein gutes Zeichen: "In der Initiative sind Leute vereint, die alle wissen, wie es im Segelsport zugeht. Gerade den jungen Leuten können sie daher eine Perspektive für eine sportliche und berufliche Zukunft aufzeigen."

Zellmer/Seelig profitieren insbesondere von ihrem Partner EWE, der mit Bernd Zirkelbach (Berlin) für einen eigenen Trainer sorgt und das 470er-Team so auf die WM im Juli (Niederlande) und die EM im September (Türkei) vorbereitet. Die internationale Zusammenarbeit mit anderen Teams war bisher allerdings nicht besonders fruchtbar. "Wir haben mit den Spanier trainiert, aber die waren bisher genauso schwach", so Zellmer. Gegensätzlich verläuft die Entwicklung bei den deutschen Laser-Seglern. Nachdem 1996 letztmals ein Deutscher bei Olympia in dieser Klasse dabei war, schickt sich nun die junge Garde an, den Anschluss zur Weltspitze herzustellen. Mit den Kielern Malte Kamrath und Simon Grotelüschen sowie Philipp Buhl aus Sonthofen hat der DSV gleich mehrere heiße Eisen im Feuer. Vor allem der erst 20-jährige Buhl gilt nach Platz vier bei der Europameisterschaft als großer Hoffnungsträger. "Als Sportsoldat ist es eben meine Hauptaufgabe zu segeln. Und mit Malte und Simon haben wir auch eine gute Trainingsgruppe hier in Kiel." Das große Vorbild Tom Slingsby hat der junge Deutsche dabei genau vor Augen. Denn der Australier führt bei der Kieler Woche das Feld an und wird noch bis zur WM im August (England) in Europa bleiben. "Ich habe schon Kontakt aufgenommen, um im Winter mal gemeinsam mit Tom in Australien trainieren zu können", sagt Buhl.

Slingsby zeigte sich einer gemeinsamen Trainingsarbeit gegenüber sehr offen: "Die deutsche Gruppe ist jung und trainiert sehr gut", so Slingsby, der vor allem von Buhls Speed bei Leichtwind beeindruckt ist: "Da ist er absolut top. Und er ist erst 20, das haben nicht viele in seinem Alter geschafft." Neben der Laser-Faszination verbindet noch mehr die beiden Teams. Denn auch die Australier haben Audi als Sponsor: "Das hilft uns sehr, denn Audi stellt uns in Europa die Autos. Damit wird ein Großteil der entstehenden Kosten getragen", sagt Slinsby, für den es in zwei Jahren nur ein Ziel gibt. "2008 habe ich Silber gewonnen und war zunächst enttäuscht. Später habe ich erkannt, dass auch das sehr gut war. Aber wenn man mich vor den nächsten Olympischen Spielen fragt, was mein Ziel ist, dann lautet die Antwort ganz klar: Gold."

Es folgt eine Tageszusammenfassung mit Ergebnissen nach Beendigung der Wettfahrten.

Hermann Hell
Segeln blindes gif
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